Im Ersten Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg
Mit dem Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 wurden die Standschützen vollständig mobilisiert. Rund 25.000 Männer aus Tirol und Vorarlberg – darunter auch Jugendliche und ältere Männer – wurden an die Dolomitenfront einberufen. Ihre Aufgaben reichten von der Bewachung von Stellungen und Trägerdiensten über Meldefunktionen bis hin zu eher seltener vorkommenden Kampfeinsätzen an besonders schwer zugänglichen Frontabschnitten wie der Sextener Rotwand, dem Ortler oder dem Lagazuoi. Weil ihr Einsatz gewissermaßen freiwillig war (sie waren zwar landsturmpflichtig[1], der Einsatz des Einzelnen war aber in gewisser Weise freiwillig), wurde auf sie per Anordnung auch besondere Rücksicht genommen. Die Standschützen wurden deshalb in „Feldformationen“ und „Wach- und Ersatzformationen“ unterteilt.[2]
Die Standschützen galten als „letzte große Volksmiliz des alten Europas“ – ein Ausdruck der tief verwurzelten Wehrtradition Tirols.
Im Ersten Weltkrieg hatten die Schützenkompanien selbst keine militärische Funktion mehr. Ihre zuvor überwiegend repräsentative Rolle – etwa bei kirchlichen oder staatlichen Feierlichkeiten – kam spätestens ab 1915 weitgehend zum Erliegen. Der Grund dafür lag in der personellen Überschneidung mit den Standschützen, die als offiziell anerkannte Milizverbände an der Front eingesetzt wurden. Viele Männer, die zuvor in Schützenkompanien aktiv gewesen waren, standen nun im aktiven Kriegsdienst.
Nach dem Krieg kam es nur zögerlich zur Neu- bzw. Wiedergründung von Schützenkompanien. Besonders im südlichen Tirol – das nach 1918 unter italienische Verwaltung geriet – war eine Wiederbelebung kaum möglich bzw. war eine solche behördlich untersagt. Mit wenigen Ausnahmen entstanden dort erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Schützenkompanien.
[1] Gesetz vom 25. Mai 1913, betreffend das Institut der Landesverteidigung für Tirol u. V. und betreffend die Schießstandsordnung für T. u. V., in: G. u. VdgBl. f. T. u. V., Jg. 1913, Nr. 25 und Nr. 26. [2] k.k. Infanterie-Brigade-Kommando Innsbruck Fasz. Nr. VI. Tiroler Landesarchiv