Über uns
Geradlinigkeit, Glaubenskraft und Freiheitswillen: Der „Mann vom Land Tirol“
In der Geschichte Tirols hat es viele Persönlichkeiten gegeben, die es in unterschiedlichster Art und in verschiedensten Bereichen zu Ruhm und Ansehen gebracht haben. Wenn aber vom „Mann vom Land Tirol“ die Rede ist, dann weiß jeder, dass damit nur einer, nämlich Andreas Hofer, gemeint ist.
Er steht für Geradlinigkeit, Glaubenskraft und Freiheitswillen. Die bekannten Bilder und Denkmäler, wie jenes in der Innsbrucker Hofkirche, zeichnen einen aufrechten, selbstbewussten, wehrhaften Landesverteidiger in seiner schlichten Passeirer Tracht.
„In seiner Rechten hält er die Fahne Tirols – Signal zum Kampf und Sieg in den Tagen der Gefahr. An seiner Schulter hängt des Tirolers Lieblingswaffe, das vertraute, treffende Feuerrohr, furchtbar jedem, der es wagt, das Land feindlich zu betreten. Aufwärts gerichtet ist sein Blick – ein bedeutungsvoller Ausdruck jenes frommen gläubigen Vertrauens, das Tiroler Bewohner zu allen Zeiten auf den Herrn der Heerscharen gesetzt [haben].“
So hieß es in der Rede von Abt Alois Röggl anlässlich der feierlichen Einweihung des Andreas Hofer-Denkmals in der Hofkirche im Mai 1834. Obwohl ihm „manche jener glänzenden Vorzüge fehlten, welche die Welt von ihren Helden fordert: Nicht sein Adelsdiplom, nicht sein Feldherren-Talent, nicht seine militärische Bildung und Einsicht, nicht seine Weltklugheit in der Rede oder Schrift, – selbst nicht einmal das, was man persönliche Tapferkeit und kühnes Wagnis nennt, – nichts von dem allen hat diesen schlichten Landmann an die Spitze der Landes-Bewaffnung gestellt, sondern die Macht der Umstände und das unbegrenzte Vertrauen seiner Landsleute auf seine Redlichkeit, auf seinen Biedersinn, auf seine Vaterlandsliebe, auf sein Tiroler Herz“.
Gerade dieser Charakterzüge wegen ist Andreas Hofer immer wieder angefeindet und verspottet worden. Aber, so der bekannte Heimatkundler Dr. Josef Rampold in einer Würdigung: „Es wird nicht gelingen, ihn in den Schmutz zu ziehen. Der Gedanke an sein Leben und vor allem an sein Sterben genügt, um mit ihm sagen zu können: ‚Ach, wie schießt ihr schlecht!‘“
Selbstbewusstsein und Selbstverständnis
Das Standschützenwesen ist in der Tiroler Geschichte und Tradition fest verankert. Es steht für Gemeinsinn, Einsatz für Freiheit und die Allgemeinheit, Verteidigung des Landes und dessen Rechte sowie Schutz von Errungenschaften und Werten.
Die Standschützen zeichneten sich durch Selbstbewusstsein, Freiheitssinn und Mut aus. Ihnen oblag die Verteidigung des eigenen Dorfes, der Talschaft und des Bezirkes. Sie waren dafür zuständig, dass Unheil von der Gemeinschaft abgewendet wurde. Dafür waren sie vom Kriegsdienst außerhalb der Landesgrenzen befreit, was ein großes Privileg war. Um für den Kriegsfall gerüstet und auch körperlich bereit zu sein, gab es entsprechende Ertüchtigungen. Das Schießen war der Nationalsport der Tiroler. Das Scheibenschießen stand von jeher hoch im Kurs, dabei wurden die Besten ermittelt.
Dass die Standschützen ihre Führung aus den eigenen Reihen wählten und sich diese nicht von einer höheren militärischen Instanz vorsetzen ließen, sagt alles über ihr Selbstbewusstsein und Selbstverständnis.
Zu Herzen gehen die Geschichten, die über Enkel und deren Großväter überliefert sind, die Seite an Seite an derselben Front für die Freiheit des Landes kämpften. Bewegend auch die Berichte über die Opferbereitschaft und das Durchhaltevermögen. Sie waren es, die keinen Urlaub von ihrer Kampfstellung nahmen, die in heikelsten Situationen ausharrten und die Abwehr gewährleisteten, um die engere Heimat vor Eindringlingen zu schützen: beeindruckende Leistungen allemal!
Es ist eine stolze Tradition, die sich in manchen heute noch wirkenden Verbänden und Vereinen fortsetzt. Im Rettungs- und Feuerwehrwesen kommt sie besonders eindrücklich zur Geltung – in Form des freiwilligen, selbstlosen Einsatzes für die Allgemeinheit, für Leib und Leben der Mitbürger, für Schutz vor Unheil und Bedrohung aller Art.
Eva Klotz
Landtagsabgeordnete a.D. und Vorstand des Ausstellungsbeirates „Haus der Tiroler Geschichte“
Leben, Kampf und Opfer für Tirol
Andreas Hofer war eine herausragende Persönlichkeit durch sein Leben und Sterben, sein Handeln und seine Gesinnung. Diese Ausstellung verdanken wir dem Militärhistoriker Dr. Hubert Speckner, der sie mit seinen Mitarbeitern geplant und organisiert hat. Ihm gebührt das große Verdienst, die Person des Tiroler Freiheitskämpfers dem heutigen Denken zugänglich gemacht zu haben. Das ist nicht einfach, denn der Tod Andreas Hofers in Mantua liegt über 200 Jahre zurück. Doch der Geist dieses Mannes ist zeitlos. Sein Einsatz im Kampf für die Freiheit Tirols gilt als leuchtendes Beispiel, das ganz Europa in Staunen versetzte. Außer den Spaniern 1808 wagte kein Volk von sich aus, sich dem französischen Kaiser und Feldherrn entgegenzustellen. Andreas Hofers entschlossener Aufruf wirkte. Unter seiner Führung sammelten sich die Schützen Tirols, um den Abwehrkampf strategisch zu organisieren. Dreihundert Jahre Geschichte des Tiroler Landlibells von 1511 hatten den Geist der Tiroler zur Selbstverteidigung des Landes in alle Herzen geschrieben. Das Unmögliche gelang in drei Bergiselschlachten am 12. April, am 25. und 29. Mai sowie am 13. August 1809, bis die letzte Bergiselschlacht – nach der Niederlage der Österreicher bei Wagram und dem Waffenstillstand von Znaim – am 1. November 1809 verloren ging. Der letzte Widerstand in Meran und Passeier wurde von der napoleonischen Übermacht niedergeschlagen.
Andreas Hofer, der sich nicht entschließen konnte, ins sichere Exil in andere Teile der Donaumonarchie zu gehen, blieb in der engeren Heimat und wurde verraten. Napoleon befahl schließlich die gnadenlose Hinrichtung. Andreas Hofers Haltung und Würde im Angesicht des Todes erwecken noch heute Bewunderung. Der strategisch organisierte Widerstand, getragen vom Geist des Freiheitswillens, gab ein Beispiel für die Tausenden von preußischen Freiwilligen, die 1813 gegen Napoleon in den Krieg zogen und ihn nach seiner Niederlage in Russland besiegen halfen.
Vom Landlibell zur Tradition
Das Tiroler Schützenwesen hat seinen Ursprung im Landlibell Kaiser Maximilians von 1511. Es war ein Landesverteidigungsgesetz, das die Tiroler zur Selbstverteidigung verpflichtete. Sie formierten sich in Freiwilligenkompanien, die 1796, 1848 und 1866 zur Abwehr von Angriffen aufgeboten wurden. Kompanien wählten ihre Offiziere und die Gruppe der Offiziere ihren Kompanie- und Bataillonskommandanten. Das Landesverteidigungsgesetz von 1887 machte sie zum ersten Mal zu einem Teil des regulären Militärs. Wer einmal in eine Kompanie „einrolliert“ war, galt nicht mehr als Freiwilliger, sondern war zum Dienst im Kriegsfall verpflichtet. Ab 1913 band sie auch das Landsturmgesetz für Tirol und Vorarlberg an die Heimatverteidigung – eine Pflicht, der sie sich nicht entziehen konnten. Außerhalb Tirols sollten sie jedoch nicht eingesetzt werden. Auch in Welschtirol bildete man das Schützenwesen nach dem Vorbild des deutschen Tirols. 1914 wurde der Landsturm zu Beginn des Ersten Weltkrieges aufgeboten und eilte mit regulären österreichischen Einheiten, denen die Kompanien unterstanden, an die Tiroler Front. Im Laufe des Krieges wurden sie allerdings auch bei den Kämpfen gegen Russland eingesetzt. Niemand weigerte sich, obwohl das Landesverteidigungsgesetz damit stillschweigend außer Kraft gesetzt wurde. Heute ist das Standschützenwesen nicht mehr Teil der bewaffneten Macht, sondern ein Traditionsverband. Gleichwohl ist der Wehrgeist als Prinzip noch lebendig, der sich aber im zivilen Bereich zeigt: Heimatbewusstsein, Einsatzwille, Mitverantwortung für die Zukunft der deutsch-ladinischen Volksgruppe, die sich als politische Einheit versteht. Die Ausstellung, die wir dem beispielhaften Einsatz des Militärhistorikers Dr. Hubert Speckner verdanken, zeigt die Geschichte und die heutige Ausrichtung des Schützenwesens von der freiwilligen Landesverteidigung bis zur Pflege der Tradition aus dem gleichen Geist in veränderten Zeitverhältnissen.
Franz Pahl
Landtagsabgeordneter, Präsident des Regionalrats a.D. und Vorstand des Ausstellungsbeirates „Haus der Tiroler Geschichte“
Zwischen Geschichte und Darstellung: Der Hofer-Mythos im Wandel
Andreas Hofer gehört zu jenen historischen Gestalten, die weit über ihr eigenes Leben hinauswirken. Kaum eine Persönlichkeit der Tiroler Geschichte hat eine derart nachhaltige Spur im kulturellen Gedächtnis hinterlassen. Nicht nur in Geschichtsbüchern, sondern vor allem in Bildern, Denkmälern, Liedern und literarischen Erzählungen lebt Hofer fort. Diese Ausstellung möchte deshalb weniger eine weitere Nacherzählung der Ereignisse von 1809 sein als vielmehr eine Einladung, den Blick auf jene künstlerischen Deutungen und Darstellungen zu richten, die aus der historischen Figur im Laufe von zwei Jahrhunderten eine kulturelle Ikone gemacht haben.
Die Erinnerung an Andreas Hofer ist immer auch eine Geschichte der Bilder. Bereits im 19. Jahrhundert begannen Maler, Bildhauer und Grafiker, seine Gestalt zu interpretieren: als Bauernführer, als Freiheitskämpfer, als Märtyrer, bisweilen auch als Symbol politischer Hoffnungen oder kultureller Identität. Jede Generation hat Hofer neu gesehen – und damit zugleich etwas über sich selbst ausgesagt. Kunstwerke sind daher nicht nur Illustrationen der Geschichte, sondern eigenständige historische Quellen, die zeigen, wie Erinnerung entsteht und sich verändert.
Gerade hier setzt die Ausstellung in Bozen an. Sie versteht sich bewusst nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu bestehenden Erinnerungsorten. Das Museum Passeier am Sandhof führt eindrucksvoll an den Ursprung der Biographie zurück und erschließt den historischen Kontext des Tiroler Aufstandes. In Mantua wird der tragische Abschluss dieser Geschichte sichtbar, an jenem Ort, an dem Hofer 1810 hingerichtet wurde. Und am Bergisel in Innsbruck verdichtet sich das historische Ereignis selbst in einer eindrucksvollen musealen Inszenierung der Kämpfe von 1809.
Bozen nimmt innerhalb dieses Erinnerungsraumes eine andere Rolle ein. Als historische Stadt zwischen Nord und Süd, mitten in Tirol und doch in Italien, bietet sie einen geeigneten Ort, um den Blick auf die künstlerische Verarbeitung des Hofer-Mythos zu richten. Die Ausstellung zeigt daher Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Münzen, Medaillen, Denkmalsentwürfe sowie Beispiele aus Literatur und visueller Kultur, die die Figur Hofers immer wieder neu interpretiert haben. Dabei wird sichtbar, wie sich politische, gesellschaftliche und kulturelle Perspektiven in den Werken spiegeln.
Das Ziel dieser Ausstellung ist es, Geschichte und Erinnerungskultur miteinander ins Gespräch zu bringen. Wer hier Hofer begegnet, begegnet nicht nur dem historischen Wirt aus dem Passeiertal, sondern auch den vielen Bildern, die Künstlerinnen und Künstler von ihm geschaffen haben – Bildern, die von Hoffnung, Tragik, Heroisierung und gelegentlich auch von kritischer Distanz erzählen.
So versteht sich diese Ausstellung als dritter Blickwinkel innerhalb einer größeren historischen Landschaft: Ergänzend zu den Orten des Lebens, des Kampfes und des Todes richtet sie den Blick auf die Kunst als Raum der Erinnerung. Gerade darin liegt vielleicht ihre besondere Aufgabe: sichtbar zu machen, dass Geschichte nicht nur geschieht, sondern immer wieder erzählt, gedeutet und
gestaltet wird.
Die Standschützen im Haus der Tiroler Geschichte
Die Tiroler Standschützen gehören zu jenen historischen Phänomenen, die sich einer eindimensionalen Deutung entziehen. Sie sind zugleich Ausdruck lokaler Selbstorganisation, militärischer Notwendigkeit in Extremsituationen und Teil einer politischen Symbolgeschichte, die bis heute nachwirkt. Die Ausstellung im Haus der Tiroler Geschichte nimmt sich dieser Vielschichtigkeit mit wohltuender Nüchternheit und historischer Sorgfalt an und stellt sie auch in einen breiteren geschichtlichen Kontext.
Entstanden aus den alten Schützenordnungen des Landes Tirol, waren die Standschützen auch im Ersten Weltkrieg keine regulären Soldaten, sondern Bürger in Waffen: Bauern, Handwerker, Beamte, vielfach bereits im fortgeschrittenen Alter oder noch sehr jung. Ihr Einsatz an der Dolomitenfront, am Ortler, in den Hochgebirgsstellungen ist Teil einer Kriegsgeschichte, die lange Zeit heroisiert wurde, deren reale Härte und Ambivalenz aber erst in den letzten Jahrzehnten etwas differenzierter aufgearbeitet worden ist. Diese Ausstellung leistet dazu einen wichtigen Beitrag und dieser Katalog ist eine erste vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Gerade Bozen ist ein geeigneter Ort für diese Auseinandersetzung. Die Stadt steht wie kaum eine andere für die Überlagerung von Erinnerungsräumen, für konkurrierende Narrative, für die Brüche des 20. Jahrhunderts in Tirol und Südtirol. Die Geschichte der Standschützen ist hier nicht nur militärische Vergangenheit, sondern Teil einer regionalen Identitätsdebatte, die vom Tiroler Freiheitskampf 1809 bis in die Gegenwart reicht. Erinnerung ist nie neutral; sie ist immer auch Spiegel der Zeit, in der
erinnert wird.
Der vorliegende Katalog macht deutlich, dass historische Verantwortung nicht in der Pflege von Legenden besteht, sondern in der Bereitschaft zur differenzierten und faktenbasierten Betrachtung. Die Standschützen waren weder bloß romantische Freiheitskämpfer noch reine Instrumente staatlicher Kriegsführung. Sie waren Menschen in einer Ausnahmesituation, geprägt von Loyalität, Pflichtgefühl, aber auch von Überforderung, Angst und Verlust. Auch diese menschliche Dimension sichtbar und im Wortsinne begreifbar zu machen, ist das Verdienst dieser Ausstellung.
Wenn Geschichte heute relevant bleiben soll, muss sie sich der Ambivalenz stellen, ohne ihren Standpunkt zu verleugnen. Diese Ausstellung tut genau das: Sie würdigt, ohne zu verklären; sie erklärt, ohne zu relativieren; und sie lädt zur kritischen Auseinandersetzung mit einem Kapitel Tiroler Geschichte ein, das bis heute nachwirkt – im kollektiven Gedächtnis ebenso wie in politischen und kulturellen Selbstbildern.
Andreas Schwaighofer
Obmann Verein Südtiroler Geschichte
Ausstellungsträger
Verein Südtiroler Geschichte/Bozen
Ausstellungsgestaltung/Arthandling/Beleuchtung
DP-art OHG
Albeins/Brixen
www.dp-art.net
Grafische Gestaltung
Effekt! GmbH
Neumarkt an der Etsch
www.effekt.it
Ausstellungskuratoren
Dr. Hubert Speckner und
Mag. Sylvia Speckner/Wien
Translation from the German language
Studio Traduc, Bozen
Traduzione dalla lingua tedesca
Studio Traduc, Bozen
Traduzion per ladin
Istitut Ladin „Micurá de Rü“
Vorstand Ausstellungsbeirat
Landesrat a.D. Dr. Bruno Hosp/Klobenstein (†)
L. Abg. a.D. Dr. Eva Klotz/Bozen
L. Abg. a.D. Dr. Franz Pahl/Welsberg-Taisten
Ausstellungsbeirat
Dipl. Physiotherapeut Peter Brachetti
Bozen
Dr. Helmut Golowitsch
Altenberg bei Linz
Prof. Dr. med. Erhard Hartung
Innsbruck und Meerbusch (D)
Gudrun Kofler, BA
Silz
Christoph Mitterhofer
Meran
Dr. Herlinde und Mag. Klaudius Molling (†)
Innsbruck
Efrem Oberlechner
Olang
Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Olt
Wien
Abteilungsdirektor i.R. Dr. Othmar Parteli
Jenesien
P. Prof. Mag. Reinald Romaner OFM
Bozen
RA Mag. Andreas Schwaighofer
Wien
Landeshauptmann a.D. AssProf. DDr. Herwig van Staa
Innsbruck
Sepp Mitterhofer (†)