Rudolf Complojer
Rudolf Complojer
Das Haus der Tiroler Geschichte verfügt des Weiteren (ebenso durch eine Schenkung von Bruno Hosp) über ein Porträt-Aquarell im Format 26 x 26 cm vom akademischen Maler Rudolf Complojer – ein Wahlrittner aus Mühlbach am Eingang des Pustertales, der dort am 21. Mai 1905 als Kind des Rudolf Complojer und seiner Frau Maria Pallhuber geboren wurde[1].
Der Vater von Rudolf Complojer war Tischler und Baumeister und unterhielt vor dem Ersten Weltkrieg eine Werkstätte in Lienz. Dort besuchte der heranwachsende Bub die Schule und erlernte „nach dem Willen des Vaters“[2] ebenso das Tischlerhandwerk. Doch bereits in diesen Jahren zeigte sich „sein Talent zum Zeichnen und Malen … und seine Sehnsucht nach der bildenden Kunst“[3]. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges arbeitete der junge Tischler in der Tischlerei-Werkstätte Schenk in Waidbruck, als sich ihm in den 1930er-Jahren die Möglichkeit eröffnete, die dreijährige Kunstschule in Bozen zu besuchen. Zu seinen Lehrern zählten Franz Ehrenhöfer[4], der aus Vorau stammende Steirer, von dessen künstlerischem Wirken heute noch die zwei Plastiken links und rechts zum Haupteingang des Bozner Bahnhofes zeugen, und Richard Müller[5], ein gebürtiger Wiener, der sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit dem (Wieder-)Aufbau der Deutschen Staatsgewerbeschule große Verdienste erwerben sollte. In der Folge war Rudolf Complojer dann auch noch eine kurze Weile Schüler von Hubert Lanzinger. Schließlich erhielt er den Auftrag, Restaurierungsarbeiten an der Martins-Kirche von Signat und an der Pfarrkirche zur Hl. Luzia in Unterinn auszuführen, was für ihn lebensbestimmend werden sollte – denn alsbald sollte er hier seine spätere Frau, Elfriede Paregger, kennenlernen, die an der nämlichen Pfarrkirche als Organistin tätig war.
Am 4. September 1936 heirateten die beiden und machten sich als junges Paar in Unterinn sesshaft. Zwei Söhne entsprossen dieser Ehe, von denen der eine, Rudolf Maria, in die Fußstapfen des Vaters trat und ein begnadeter Maler wurde, wogegen der andere, Wolfgang, als Architekt im kunstverwandten Bereich der Architektur erfolgreich wirkte.
[1] Pfarre Mühlbach, Taufbuch 1833–1918, S. 150. [2] Frass, Hermann: Rudolf Complojer – Freund und Maler (Nachruf), in: Dolomiten vom 25. Juni 1991, Nr. 145, S. 22 (Zeitungsbestände Othmar Parteli, Jenesien). [3] Frass, Dolomiten vom 25. Juni 1991, S. 22. [4] Zu Franz Ehrenhöfer siehe: Der Schlern, 1946, S. 150; Bloder-Tauß, Margaret: Der Bildhauer Franz Ehrenhöfer als Lehrer, in: Der Schlern, 1959, S. 26 f. [5] Zu Richard Müller siehe: Dolomiten vom 30. Dezember 1954, Nr. 300, S. 7 („Direktor Arch. Richard Müller zum Gedenken“).
Rudolf Complojer (1905–1991) in seinem Atelier in Unterinn am Ritten
Quelle links: Hosp, Inga: Ritten – Land und Leute am Berg / Quelle rechts: Zeitschrift Südtirol in Wort und Bild 1974, Heft 4, Seite 26
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Rudolf Complojer Mitglied des 1946 gegründeten Südtiroler Künstlerbundes, in dem er bis zu seinem Tod im Jahre 1991 aktiv tätig blieb, während seine Malkunst – vordergründig Landschaftsmotive vom Ritten, aber auch lyrische Momente am Wegrand und gelegentlich Kinderporträts – „ein immer höheres Niveau“[6] erreichte. Viele Ausstellungen in Südtirol, aber auch in Trient, München, Wien, Mailand und Florenz belegen diese Entwicklung überzeugend.[7] Entsprechend dazu blieben hohe und höchste Ehrungen nicht aus: durch die Mitgliedschaft in der Accademia Tiburtina in Rom (1968), durch die Tiroler Landesregierung (1978) und durch die Verleihung der Verdienstmedaille der Legion d’Oro in Rom (1987). Rudolf Complojer verstarb am 18. Mai 1991 und wurde zwei Tage darauf im Ortsfriedhof von Unterinn beigesetzt.[8]
[6] Frass, Dolomiten vom 25. Juni 1991, S. 22. [7] Zu seiner Malkunst siehe: Landschaften von Rudolf Complojer, in: Dolomiten vom 25. April 1952, Nr. 96, S. 6. [8] Frass, Dolomiten vom 25. Juni 1991, S. 22.
Rudolf Complojer (1905–1991) in seinem Atelier in Unterinn am Ritten
Quelle links: Hosp, Inga: Ritten – Land und Leute am Berg / Quelle rechts: Zeitschrift Südtirol in Wort und Bild 1974, Heft 4, Seite 26