Oskar Wiedenhofer
Oskar Wiedenhofer
Ein Werk, das sich ebenfalls aus dem Nachlass von Inga und Bruno Hosp als Dauerleihe in der nunmehrigen Sammlung des „Hauses der Tiroler Geschichte“ befindet, stammt von Oskar Wiedenhofer[1]: ein Porträt von Peter Mayr, dem Wirt an der Mahr (1943). Sehr früh schon wies den heranwachsenden Wiedenhofer ein zeichnerisch außergewöhnliches Talent den Weg in eine bestimmte Richtung; und so finden wir ihn bereits als 17-Jährigen an der Münchner Kunstakademie, wo er bis 1910 bei zum Teil außergewöhnlichen Lehrern studierte. Nach seinem Münchner Studienaufenthalt lebte er längere Zeit in England, wo er u. a. auch Mitglieder des englischen Hochadels porträtierte, als ihn, wie viele andere auch, mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Einberufung in die Armee erreichte – zunächst (1914) in den Reihen der Kaiserjäger nach Lienz, dann aber, mit der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn im Mai 1915, auf den Col di Lana, wo er bis 1917 seinen Dienst leistete. Die Erlebnisse hier prägten sein künstlerisches Empfinden im hohen Maße, er konnte dies an Ort und Stelle umständehalber aber nicht im Geringsten umsetzen, bis er nach einer gewissen Zeit zu den U-Booten in der Adria und im Gefolge ins Kriegspressequartier abkommandiert wurde. Dort konnte er wieder anknüpfen, wo die Bande einberufungsbedingt abgerissen waren. Nun erreichten ihn neue Aufträge aus den höchsten Kreisen des österreichischen Adels – darunter von Kaiserin Zita, aber auch von „führenden Persönlichkeiten des alten Österreich“.[2] Nach dem Kriegszusammenbruch zog es ihn wieder hinaus, erneut nach München, das er knapp zehn Jahre zuvor am Ende seiner Ausbildungszeit an der Akademie verlassen hatte. Von hier aus wurde er nun in vielen kunstinteressierten Kreisen deutscher Städte – von Stuttgart über Köln bis nach Chemnitz und Stettin an der Ostsee –, aber auch in Linz und Salzburg alsbald zu einem festen Begriff.
[1] Oskar (Ferdinand Karl) Wiedenhofer wurde am 29. Dezember 1889 als fünftes und letztes Kind der Familie Karl Wiedenhofer und seiner Frau Elise Unterhofer geboren (Propsteipfarre Bozen, Taufbuch Tomus 24, 1. April 1888 – 6. September 1893). [2] Sailer, Oswald: Kunstmaler Oskar Wiedenhofer. Zu seinem 60. Geburtstag am 28.12.1949, in: Der Schlern 1950, S. 7 f.
Oskar Wiedenhofer (1889–1987), Porträt von Rudolf Parsch, 1949 (Farbstiftzeichnung)
Quelle: Der Schlern, 1950
Im Jahre 1930 gründete er mit Hildegard Mayer aus Wien eine Familie; das Paar lebte vorerst in Chemnitz, wo das erste Kind, ein Mädchen, zur Welt kam. Anschließend zogen sie nach München, wo zwei weitere Kinder geboren wurden, als der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ihre Übersiedlung nach Südtirol besiegelte. Ihr Weg führte sie nach Seis am Schlern, wo sie den „alte[n] Sommersitz Vater Wiedenhofers am Fuße der himmelhohen Santnerkante“[3] bezogen. Ab jetzt vertiefte sich Oskar Wiedenhofer in den Kern der Wesenszüge der Leute und konzentrierte sich auf das menschliche Porträt. So wurde eine Vielzahl an markanten Porträts bedeutender und weniger bedeutender Zeitgenossen geschaffen. Es entstanden aber auch „Andreas Hofer und Michael Gaismair, der Wirt an der Mahr und in ihrem Gefolge alle die Seiser und Kastelruther in farbenfroher Tracht“, und andere, „deren Porträts weltberühmt“[4] werden sollten, wie jene der Erstbezwinger der Nordwand des Matterhorns. Am Fuße des Schlern lebte und wirkte Oskar Wiedenhofer noch sehr viele Jahrzehnte, denn es war ihm eine Lebenslänge vergönnt, wie sie nur ganz wenigen Menschen zuteil wird:
Er verstarb, fast 98-jährig, am 7. September 1987, und fand im Ortsfriedhof von Kastelruth seine letzte irdische Bleibe.[5]
Einmalige und ihrer Art nach außergewöhnliche Werke zu bedeutenden Gestalten in den Tiroler Freiheitskämpfen um 1809 finden sich nun im „Haus der Tiroler Geschichte“ in der Bozner Laubengasse. Zusammengetragen wurden sie durch das bemerkenswerte kulturelle Gespür von Inga und Bruno Hosp und – weit mehr als das: Das Rittner Paar hat die Werke großherzig an dieser besonderen Stelle der geschichtlichen Reflexion vereint und im Interesse der gemeinsamen Sache der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
[3] Sailer, Der Schlern, S. 8. [4] Sailer, Der Schlern, S. 8. [5] Näheres zu Oskar Wiedenhofer findet sich im Schlern 1950, S. 7 f., 1970, S. 56 f. sowie in der Publikation Oscar Wiedenhofer – Portraits und Südtiroler Motive, Bd. 11 der Monografien-Reihe des Südtiroler Künstlerbundes, Bozen 1985; vgl. auch SAILER, Oswald: Zum Tode des Malers Oscar Wiedenhofer, in: Dolomiten vom 17. September 1987, Nr. 214, S. 7 (Zeitungsbestände Othmar Parteli, Jenesien).