Die Hinrichtung Andreas Hofers und die Reaktion Mantuas
Die Hinrichtung Andreas Hofers und die Reaktion Mantuas
Am 20. Februar 1810 wird Mantua vor der Porta Giulia zur Augenzeugin einer Hinrichtung, die nicht wie die anderen ist. Die Chroniken berichten von einer großen, schweigenden und tief bewegten Menge. Da ist keine Feindseligkeit, keine lüsterne Neugier: Es herrscht ein komplexeres Gefühl, fast eine kollektive Scham. Graf Giovanni Arrivabene, der sich geweigert hatte, seinen Palast für den Prozess zur Verfügung zu stellen, erzählt, wie er Hofer auf einem zweirädrigen Karren ankommen sah – „einen stämmigen, gefesselten Mann“ in einem dunklen Gewand, das ihn wie einen Kapuziner wirken ließ.[1]
Es ist ein Bild, das die ganze Würde des Verurteilten wiedergibt, aber auch den humanen Blick derer, die ihn beobachteten.
Der mit der Verteidigung beauftragte Advokat Gioacchino Basevi erinnert sich an eine „weinende“ Menge, tief berührt von der Gelassenheit des Gefangenen. Sein Zeugnis zählt zu den eindringlichsten. Nie zuvor, so schreibt er, habe er bei einer öffentlichen Hinrichtung so viel Ergriffenheit und zugleich so viel Empörung erlebt.[2] Auch der Mantuaner Klerus hinterließ tiefe Spuren. Don Manifesti, der Hofer zum Schafott begleitete, behielt ihn als christlichen Märtyrer in Erinnerung. Don Borghi, der Pfarrer von Cittadella, kümmerte sich um sein Begräbnis und ließ im Friedhof seiner Kirche eine Gedenktafel anbringen. Es sind Gesten, die von einer spontanen, nicht verordneten Anteilnahme zeugen – einem Mitgefühl, das daraus erwächst, im Gegenüber den Menschen zu erkennen und nicht den Feind.
[1] Arrivabene, G.: Memorie della mia vita, Florenz 1880, S. 16–17. [2] Basevi, G.: Copia di una lettera di risposta indirizzata ad uno scrittore che doveva inserire la biografia di Andrea Hofer in una raccolta intitolata „Galleria Militare“, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, FB 2729, Nr. 91; vgl. auch Gozzi, G.: Per Dio, per l’Imperatore, per la Patria. Il fatto storico di Andreas Hofer nella pubblicistica nazionale e nella tradizione mantovana, Bozen 2009, S. 137; 166.
Gedenktafel, die 1850 am Ort der Erschießung von Andreas Hofer auf Wunsch des Majors und Direktors des Festungsgeniewesens, Baron Eduard Maretich von Riv-Alpon, angebracht wurde; heute aufbewahrt im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck.
Quelle: R. Sarzi, Andreas Hofer a Mantova in catene…, Editoriale Sometti, Mantua 2006, S. 96