Geschichte der Schützenkompanie
Geschichte der Schützenkompanie
Wie nahezu jeder Ort Tirols stellte auch Salurn seit dem Landlibell Kaiser Maximilians I. von 1511 wiederholt Schützenaufgebote zur Landesverteidigung. Historisch belegt sind Einsätze der Salurner Schützen an der Salurner Klause während des ersten Franzoseneinfalls 1796/97 sowie die Beteiligung an den Aufgeboten der Jahre 1809 und 1848.
Am 30. April 1911 wurde die Standschützenkompanie Salurn mit 42 Männern gegründet. Erster Hauptmann war Karl Mall. Zu diesem Anlass wurde auch die historische Fahne geweiht, deren Patin die Fürstin Campofranco aus Bozen war. Diese Fahne gehört zu den wenigen Standschützenfahnen, die den Ersten Weltkrieg überstanden haben, und wird bis heute bei besonderen Anlässen von der Schützenkompanie Salurn mitgeführt. An der Gründungsfeier nahmen zahlreiche Nachbarkompanien teil, darunter Faedo, Aichholz, Branzoll, Auer und Neumarkt.
Im Jahr 1915 bildete die Standschützenkompanie Salurn gemeinsam mit Gfrill, Margreid, Unterfennberg, Neumarkt und Montan die 3. Kompanie des Bataillons Auer. Diese Einheit war an der Dolomitenfront im Raum Lagorai und Fleimstal im Einsatz und wurde hauptsächlich mit Nachschubaufgaben betraut.
Zum Kommandanten wählte man Anton Montel.
Nach der Annexion Südtirols verbot Italien das Schützenwesen; dennoch wurde während der Zeit der Operationszone Alpenvorland (1943–1945) erneut eine Kompanie aufgestellt. Die heutige Schützenkompanie Salurn formierte sich schließlich am 19. April 1975 unter Hauptmann Heinrich Tonini. Der offizielle Gründungsakt erfolgte am 24. April 1977 im Rahmen einer eindrucksvollen Feier mit rund 1.500 Schützen aus ganz Tirol und Bayern.
Seitdem setzte die Kompanie zahlreiche bemerkenswerte Initiativen um. Bereits 1978 ließ sie die historische Standschützenfahne von 1911 restaurieren. Diese hatte man Anfang der 1970er-Jahre aus dem nördlichen Landesteil nach Salurn zurückgebracht, wo sie seit den 1920er-Jahren zum Schutz vor dem Zugriff der Faschisten aufbewahrt worden war.
Ein Jahr später setzten sich die Schützen beim damaligen Landeskonservator Dr. Karl Wolfsgruber für die Instandsetzung der Ruine Haderburg ein. In der Folge wurden umfangreiche Konsolidierungsarbeiten an diesem Wahrzeichen Salurns und Tirols durchgeführt. Von 1979 bis 1985 restaurierten die Salurner Schützen zudem in mühevoller Kleinarbeit den Kapellenweg. Auch während des Hochwassers im Juli 1981 leisteten sie tatkräftige Hilfe bei den Aufräumarbeiten im Dorf.
Seit 1979 richtet die Schützenkompanie Salurn jährlich die Gedenkfeier zu Ehren von Dr. Josef Noldin aus, einem der bedeutendsten Söhne des Ortes und Märtyrer für das Deutschtum im Unterland. Zu diesen Feiern kamen im Laufe der Jahre zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Kultur als Gedenkredner nach Salurn.
1983 übernahmen die Schützen den ehemaligen Jugendraum im Ansitz Feigenputz als Vereinssitz. Nachdem dieser Anfang der 1990er-Jahre aufgrund notwendiger Umbauarbeiten verlassen werden musste, konnte 1997 nach längerer Renovierung das neue Vereinsheim im historischen Schießstand bezogen werden.
Im Jahr 2002 richtete die Kompanie das Bezirksfest des Schützenbezirkes Südtiroler Unterland aus. Zu diesem Anlass besuchte die damalige österreichische Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer Salurn.
Eine der dunkelsten Stunden erlebte die Kompanie im Jahr 2004, als Oberleutnant und Gründungsmitglied Franz Bazzanella bei einer Wanderung entlang des Fluchtweges von Jörg Klotz von Saltaus nach Nordtirol tödlich verunglückte. Er hatte sich durch seinen außergewöhnlichen Einsatz große Verdienste um die Kompanie erworben.
Von 1984 bis 2014 stand die Schützenkompanie Salurn unter der Führung von Hauptmann Walter Ceolan. Für seinen langjährigen Einsatz wurde er zum Ehrenhauptmann ernannt und mit der Silbernen Verdienstmedaille des Schützenbundes ausgezeichnet. 2018 wurde er auch mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol ausgezeichnet. Seit dem 20. Februar 2014 wird die Kompanie von Hauptmann Arno Mall geführt. Im Jahr 2015 erfolgte die Umbenennung der Kompanie nach Dr. Josef Noldin. Sein Vermächtnis – der beharrliche Einsatz für die deutsche Sprache und Kultur im Südtiroler Unterland – soll den Schützen stets Auftrag und Verpflichtung sein.
Schützenkompanie Salurn in Mantua
Quelle: Schützenkompanie Salurn
Die Schützenkompanie setzt sich bei der Gemeindeverwaltung für die Errichtung einer Namenstafel aller Salurner Gefallenen der beiden Weltkriege ein. Sie nimmt aktiv und gestaltend am Dorf- und Vereinsleben teil, pflegt überliefertes Brauchtum und trägt die Idee eines geeinten Tirols weiter.
Im Jahreslauf organisiert die Kompanie unter anderem die Andreas-Hofer-Gedenkfeier, gestaltet den Josefi-Kirchtag und die Kreuzwegandacht mit, nimmt an der Fronleichnamsprozession teil, errichtet das Herz-Jesu-Feuer am Geierberg und richtet im Dezember die Josef-Noldin-Feier aus.