Schulzeit, Bewusstwerdung und persönliches Interesse
Schulzeit, Bewusstwerdung und persönliches Interesse
Marlene (25): „Ich erinnere mich nicht mehr genau wann, aber ich weiß, dass wir in der Schule Andreas Hofer durchgemacht haben. Könnte Grundschule oder Mittelschule gewesen sein. Schon seit jeher habe ich auch die Schützen gesehen, doch als kleines Mädchen konnte ich noch nicht wirklich verstehen, wofür sie stehen. Mit der Zeit hat sich das jedoch geändert. Durch Schule, Erzählungen und eigenes Interesse habe ich mehr über Andreas Hofer und die Bedeutung der Schützen erfahren können. Die Bedeutung von Andreas Hofer hat mein Leben schon stark geprägt und meine Haltung zur Heimat deutlich verstärkt. Sein Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, für die eigenen Werte einzustehen. Dadurch habe ich gelernt, Tradition nicht als selbstverständlich zu sehen, sondern als etwas, das es zu bewahren und zu respektieren gilt. Heute sehe ich Andreas Hofer nicht nur als historische Persönlichkeit, sondern auch als Symbol für Mut, Tradition, Zusammenhalt und den Einsatz für die eigene Heimat. Aus der Sicht meines jetzigen Lebens zeigt seine Geschichte, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und für Freiheit sowie Gerechtigkeit einzustehen. Für Südtirol und die Südtiroler hat Andreas Hofer auch heute noch eine große Bedeutung und sollte sie auch weiterhin haben, da er für Identität, Tradition und Gemeinschaft steht und uns daran erinnert, uns nicht von gesellschaftlichen Einflüssen davon abbringen zu lassen und diesen Werten treu zu bleiben.“
Norman (34): „Ich habe bewusst das erste Mal von Andreas Hofer, dem Sandwirt, im Volksschulalter gehört. Über seine Geschichte und seine Schlachten am Bergisel hat mir mein Großvater erzählt. Sein berühmter letzter Spruch in Mantua – ‚Ach, wie schießt ihr schlecht!‘ – hat mich als Kind sehr beeindruckt. Andreas Hofer zählt für mich persönlich zu meinen Helden. Wir brauchen in unserem Leben Helden bzw. Vorbilder, die uns mit ihren Taten und auch mit ihren Gedanken lenken können. Sein Beispiel zeigt uns, dass man, auch wenn man einer Übermacht gegenübersteht, trotzdem was bewirken kann. Denn Helden sterben nie vergebens, aus ihrem Opfer entstehen immer neue Helden. Konkret hat mich Andreas Hofer mitbeeinflusst, der Schützenkompanie beizutreten, um aktiv für unsere Heimat einzustehen. Andreas Hofer ist mit Sicherheit einer der wichtigsten und auch bekanntesten Landeshelden, die wir haben. Auf ihn kann man stolz und gleichzeitig auch dankbar sein. Denn er und seine Mitstreiter haben sich für unser Volk und unser Land geopfert. Dank ihnen wurden weitere Freiheitsbewegungen in ganz Europa und auch in der ganzen Welt animiert. Seine Geschichte lehrt uns, dass man Ungerechtigkeiten entschlossen und mutig bekämpfen soll. Auch wenn es manchmal leichter wäre, wegzuschauen oder sich still zu verhalten. Für uns sollte es also gelten: Mehr Sein als Schein.“
Roland (45): „Ich habe das erste Mal in der Schule von Andreas Hofer gehört, später in der Kirche, von Freunden und in der Bauernjugend. Dessen Geist so richtig mitbekommen und mitgefühlt habe ich dann mit 16 und bei den Schützen. Die Figur Andreas Hofer hat mich dazu geführt, den Glauben und Halt zur Heimat zu stärken. Seine Geschichte kann man nur aus Büchern lernen; wie es wirklich war, kann man sich heutzutage kaum vorstellen! Im Dunkeln bei Kerzenlicht, ohne Handy oder sonstige Technologie, nur mit Papier und Feder und einer kleinen Gruppe die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Er war für mich ein Patriot, der den Mut hatte zu kämpfen und unser Land in Bewegung gesetzt hat. Leider hat sich unser Land von diesem Patriotismus deutlich distanziert. Wir leben im Wohlstand, und deswegen denkt man kaum noch zurück. Die starke Zuwanderung verschiedenster Herkunft schwächt leider unsere Kultur und Wurzeln. Unsere Leute in der Politik sorgen dafür, dass sich alles noch beschleunigt! Ich befürchte, dass nur wenige von uns diesen Bezug zur Heimat beibehalten und weitergeben. Nicht aufgeben und Patrioten sein! Das bedeutet nicht, andere zu hassen, sondern den Mut zu haben, zu zeigen, wer und was wir Südtiroler sind.“
Lorenz (63): „Von Andreas Hofer habe ich zum ersten Mal in der 4. oder 5. Klasse der Volksschule gehört. Unserer Lehrerin, Fräulein Olga Ferrari, war es wichtig, uns im Heimatkunde-Unterricht von ihm zu erzählen. Er wurde für mich ein Held, der seine Heimat geliebt hat. Als ich dann mit 18 Jahren zu den Schützen kam, habe ich mich etwas näher mit dem Helden meiner Kindheit (diesem Kämpfer nach Freiheit und Gerechtigkeit) befasst (Vorträge, Ausrückungen, Erzählungen, Museum Sandwirt in St. Leonhard). Andreas Hofer ist und bleibt für mich ein Vorbild für Einsatz und Selbstlosigkeit. Allerdings habe ich mit den Jahren gelernt und mir ist bewusst geworden, dass vieles um den Helden Hofer verschönert ist. Es gibt eine ‚romantische und ideale Vorstellung‘ von dem Mann. Hofer hatte sicher auch Fehler, so wie jeder. Er hat wahrscheinlich auch seine eigenen Ziele verfolgt und wurde sicher von Weggefährten für deren Ziele missbraucht. Ich bin gerne in meiner Heimat und froh darüber, hier geboren worden zu sein. Ich mag die meisten Leute, die mir bisher begegnet sind. Manchmal wurde ich auch enttäuscht vom Verhalten und Handeln anderer Personen. Trotzdem habe ich gelernt, konstruktive Dialoge zu führen und mich nicht entmutigen zu lassen. Mit etwas gutem Willen auf beiden Seiten gelingt es, Probleme zu beseitigen. Hofer wurde als Kind ins Nonstal geschickt, um Italienisch zu lernen. Das sollte ihm später in seinem Beruf als Händler und Wirt von Nutzen sein. Ich denke, er hat schon als Kind in der ‚Fremde‘ Neues erlebt und gelernt, offen für Neues zu sein. Als Wirt und Händler musste er menschenfreundlich und kompromissbereit sein. Allerdings war er auch fest verwurzelt in seinem Passeiertal. In der Zeit, in der er lebte, waren Religion und der katholische Glaube Gesetz! Vielleicht hatte er Angst vor dem jüngsten Gericht und hat sich deshalb dem Feind widersetzt? Dem Feind, der besonders religiöse Bräuche und Weltanschauungen der Talbewohner abschaffen wollte, dafür ein ‚modernes Weltbild‘ einem Volk aufzwingen wollte. Das konnte in Hofers Augen und in denen der Landsleute nicht gut ausgehen. Ich denke, heute müssen wir weltoffen sein. Uns vor dem Fortschritt verschließen, bringt nichts. Aber immer alles übernehmen? Um welchen Preis? Was wir nicht sehen, ist, dass wir Gefahr laufen, alle Teil derselben Gesellschaft zu werden. Wir geben unsere Eigenständigkeit auf, weil wir mithalten wollen – zu sehr mithalten wollen. Wir verlieren unsere Bräuche und Traditionen, aber nicht, weil sie uns genommen werden. Das Traurige daran ist, wir geben sie freiwillig auf, denn wir glauben, sie sind nicht wichtig. Wir verlieren Werte, weil sie in unseren Augen veraltet sind (daran haben höchstens noch unsere Großeltern geglaubt), wir wollen doch mit der Zeit gehen. Dafür geben wir Liebgewonnenes auf. Allzu gerne möchten wir Ideen und Weltanschauungen kopieren und übernehmen. Das sollten wir lassen, um weiterhin ein stures, selbstbestimmtes und im besten Fall auch noch glückliches Volk zu bleiben! Ein Volk, das seine Herkunft kennt und sich stolz weiterentwickelt. Was können wir Südtiroler vom Hofer lernen? Offen sein, um Neues zu lernen, dafür aber sich selbst nicht aufgeben. Sein Einsatz und seine Streitigkeit als Vorbild nehmen. Sein Bekenntnis zu Werten wie Glaube, Familie, Gerechtigkeit, Einigkeit, Einsatz für die Heimat, Zusammenhalt, Demut und Zielstrebigkeit könnten uns helfen, diese Heimat lebenswert zu erhalten. Wenn Südtirol nur dem Zeitgeist folgt, wird uns mehr genommen als gegeben. Und aus den ‚sturen – eigensinnigen‘ Tirolern werden ‚brave‘ Mitläufer einiger großer Machthaber.“
Martin (38): „Wenn ich an den ersten Eindruck Andreas Hofers denke, dann fallen mir die Bilder in meinem Elternhaus ein, wo in der Stube ein Portrait Andreas Hofers hängt und das Bild der Tiroler Freiheitskämpfer von Franz von Defregger (Kajetan Sweth sitzend, Josef Speckbacher, Andreas Hofer und Pater Haspinger). Außerdem habe ich im Volksschulalter das Buch vom Speckbacher bei meinen Großeltern entdeckt und gelesen. Was die Schule betrifft, wurde uns in der 5. Klasse der Grundschule Salurn der Tiroler Freiheitskampf in Heimat- und Umweltkunde sehr ausführlich vermittelt. Schon früh erkannte ich durch Andreas Hofer und den Tiroler Freiheitskampf, welche Werte mir wichtig waren. Sein Einsatz für Glaube, Heimat und Gerechtigkeit hat mein eigenes Denken darin verschärft. Offen sein, aber für seine Werte einstehen. Das eine schließt das andere nicht aus. Wenn Situationen ausweglos erscheinen, wie der Kampf gegen die zahlenmäßig überlegenen Feinde, dann hat man die Pflicht, dagegen zu begehren. Das vermitteln mir seine Taten. Andreas Hofer sollte auch in heutiger Zeit noch als Vorbild dienen. Er war ein Mann des Volkes und stand für Gerechtigkeit, Glaube, Mut und Freiheit ein. Im Grunde das Gegenbild unserer Führungsriege in der Politik.“