Die Freiwilligen Schützen Salzburgs
Die Freiwilligen Schützen Salzburgs
Unter der alten Schützenfahne von 1809
Zwei junge Freiwillige Salzburger Schützen
Auch im Salzburger Land eilten blutjunge Burschen, zumeist noch Knaben, und alte Männer zu den Waffen, um der bedrohten Grenze im Süden Hilfe zu leisten.
Das Schützenwesen blickt im Lande Salzburg auf eine jahrhundertelange Entwicklung zurück. Am 5. Januar 1915 trafen Landesoberschützenmeister Oberst Eduard Tratz und Landesschützenmeister Hans Pirchl in Innsbruck den Innsbrucker Militärkommandanten Feldmarschallleutnant von Können-Horak, der angesichts der drohenden Rüstungen Italiens die beiden Schützenmeister bat, Freiwillige aufzubieten. Diese nahmen die Organisation umgehend in die Hand. Es meldeten sich auf Anhieb 5.163 Mann in dem kleinen Land Salzburg, obwohl die gediente Mannschaft schon vollständig zum Heere einberufen war.
Die Salzburger Schützen waren mit der Zusage des Armeekommandos gemustert worden, dass sie nur zum Schutze der Tauernübergänge von Krimml bis hin zur steirischen Grenze bestimmt seien. Nun riefen aber Tirol und Kärnten um Hilfe. Für viele Bauern und Bauernsöhne, die Felder und Höfe zu bestellen hatten – ihre Väter und Brüder standen im Felde oder waren bereits gefallen –, stellte dies eine ernste Situation dar.
Josef Strohmayr, der Kommandant der Halleiner Schützenkompanie, ließ seine Buben und Männer antreten, erklärte ihnen die neue Situation und verwies darauf, dass die Linie der Verteidiger an Österreichs Südgrenze nur dünn sei. Man müsse die Heimat aber bereits dort verteidigen und nicht erst dann, wenn der Feind schon im Lande stehe. Strohmayr überließ es der Mannschaft, zu entscheiden, ob sie sich freiwillig dem neuen Befehle unterwerfen wolle oder nicht. Die Kompanie erklärte sich einheitlich bereit, dem Ruf zu folgen.
So wie in Hallein war es im ganzen Land – die Schützen zogen an die Front.
Einwaggonierung – Abschied vom Salzburger Land
Die alte Pinzgauer Schützenfahne von 1809 flatterte den Freiwilligen Schützen voran, als sie in den Einsatz zogen. Heute befindet sich die Fahne im Heimatmuseum von Saalfelden.
Die Pinzgauer hatten eine komplette Ortsmusik mitgebracht, die nun am 20. September 1915 der Truppe mit einer Stärke von 1.200 Mann voran mit klingendem Spiel in Hermagor einzog. Über ihnen flatterte die Schützenfahne aus Saalfelden, die schon bei den Kämpfen von 1809 dabei gewesen war.
In der Hochgebirgsstellung auf dem Hochalpljoch (Passo Oregone), der Zugang zum Hochweißstein (Monte Peralba)
In Hermagor erwartete der Abschnittskommandant, General von Henneberg, die Salzburger schon sehnsüchtig. Bis zum 3. Oktober 1915 fanden erbitterte Kämpfe um die Stellungen am Prihat, Malurch und Bombaschgraben statt.
Im Juli 1916 verlegten die Salzburger ihre Positionen in die Hochgebirgsstellungen am Hochweißstein im Karnischen Kamm.
Über den weiteren Schicksalsweg der Freiwilligen Salzburger Schützen berichtet das Generalstabswerk „Österreich-Ungarns letzter Krieg“:
„Vierzehn Monate waren die Schützen ununterbrochen in den Höhenstellungen gewesen, als ganz unvorbereitet bei Nacht und Schneesturm der Vormarsch im Oktober 1917 angetreten wurde, an dem die Salzburger Freiwilligen Schützen keineswegs bloß als Mitläufer teilnahmen. Ohne Erholung ging es dann auf die Hochfläche der Sieben Gemeinden.
Die Auswaggonierung in Südtirol im Jahre 1917
Das Infanterieregiment 27 lösten sie ab, die 17er kamen nach ihnen. Das war nun keine ruhige Front mehr, sondern der Drehungspunkt der alten Linie (vor der Offensive 1917) zu den neuen Stellungen. Es gab unablässig Scharmützel und Vorstöße von hüben und drüben, schweres Artillerie- und Minenfeuer lag oft stundenlang über den Gräben, Angriffe, besonders bei Nacht, folgten, in der Sartori- und Ghelpachschlucht gings recht heiß zu. Im März 1918 gab es nach zwanzigmonatlicher Frontdienstleistung endlich eine karge Ruhe- und Rastpause, jedoch auch noch im Bereich des feindlichen Feuers.
Dann ging es auf den jedem Salzburger heiligen Opferberg, den Monte Cimone. Die Schützen sollten mit Kaiserjägern und Landesschützen in den ersten Wellen zum Sturm gegen die Priafora vorgehen. Die ganze Aufklärungs- und Vorbereitungsarbeit wurde in die Hände des Bataillons gelegt. Der Gegner wüsste, was bevorstand und beantwortete auch unbedeutende Aktionen mit schwerstem Feuer. Aufklärungs- und Sturmabteilungen des Bataillons waren in steter Aktion im Vorfeld, in der Nacht hieß es Munition stapeln.“
Maschinengewehrabteilung der Freiwilligen Salzburger Schützen
Sackfetzen an den Füßen: Die Salzburger Schützen auf dem Ortler
Die Bataillonsgeschichte der k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs berichtet:
„Ab dem 19. August 1918 stand das Salzburger Bataillon der Freiwilligen Schützen in den höchsten Stellungen der Welt auf dem Ortler.
Das Ende der alten Armee zeichnete sich ab: Die Verpflegungs- und Nachschublage zeigte das drohende nahe Ende an. Dörrgemüse bildete die Hauptnahrung der Mannschaft, die den schweren Dienst im Hochgebirge zu versehen hatte. Schuhe und Monturen blieben aus, zerrissen und dürftig bekleidet waren die Leute bei ihren Arbeiten, schweren Schneestürmen und einer Kälte von – 25 Grad und mehr ausgesetzt. ,Wir können euch nichts geben, wir haben selber nichts‘, das war die stete Antwort, die die höheren Kommanden den Klagen über die mangelhafte Verpflegung und Ausrüstung entgegensetzten.
Die Leute mussten sich um Sackfetzen raufen, um das Gletschereis nicht mit bloßen Füßen betreten zu müssen.“
In diesen Stellungen verblieb das Baon bis zum Kriegsende.[1]
[1] „Die k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs im Weltkriege – Bataillonsgeschichte erstellt vom Kameradschaftsbund der ehemaligen k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs“, Salzburg 1933, S. 50.
Karte der Ortler-Stellungen der Salzburger Freiwilligen Schützen aus der Bataillonsgeschichte
Die Heimkehr der Salzburger – sie hätten am liebsten den Befehl verweigert
Am 3. November trafen in den Morgenstunden die Nachricht über den Waffenstillstand und die Weisung zum Rückzug bei dem Bataillon der Freiwilligen Salzburger Schützen ein. Zugleich legten die Italiener gegen Mittag überraschend schweres Sperrfeuer auf die Verbindungswege, besonders bei Trafoi. Die Truppen mussten sich durch das Sperrfeuer durchschlagen. Die Salzburger hätten am liebsten den Befehl zum Rückzug verweigert.
Die Bataillonsgeschichte berichtet:
„Salzburger Schützen waren die letzten österreichischen Truppen, die das Reschen-Scheideck passierten. Den jammernden Bauern konnten wir keinen besseren Trost als die Verheißung einer glücklichen Zukunft geben. Die Mannschaft ohne Unterschied der politischen Gesinnung, die nunmehr unter dem Eindruck der Erlebnisse in der Heimat hervortrat, gab, mitunter leidenschaftlich den Willen kund, trotz der Sehnsucht nach der Heimat zu bleiben und den vaterländischen Boden zu verteidigen. Aber der einzelne Truppenkörper war im allgemeinen, untergeordneten Trieb nach rückwärts machtlos. Unvergesslich aber wird der schwere Abschied von alter Heimatscholle bleiben. Unser Blick bleibt nach Süden gerichtet, wo Heimaterbe von heiligem Blute gerötet ist. Die Salzburger Bergbauern werden nicht darauf vergessen. Unserer Jugend den Weg zu weisen, wird Aufgabe der Überlebenden sein! Unsere alte Schützenfahne wird einmal Urständ feiern!“ [2]
[2] Oberleutnant Dr. Hans Oellacher: „Salzburger Schützen als Kampftruppe“, in: „Die k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs im Weltkriege – Bataillonsgeschichte erstellt vom Kameradschaftsbund der ehemaligen k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs“, Salzburg 1933, S. 104 f.
Über die Stimmung bei der Rückkehr in die Heimat vermeldet die Bataillonsgeschichte:
„Mit tiefer Trauer über die umsonst gebrachten Opfer an Gut und Blut trafen die Reste des Baons der Freiwilligen Schützen Salzburgs am 7. November 1918 in der Heimat ein.“