Erste Maßnahmen bei Ausbruch des Weltkrieges
Erste Maßnahmen bei Ausbruch des Weltkrieges
General der Infanterie Franz Xaver Josef Freiherr Conrad (von Hötzendorf; 1852–1925)
Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Conrad_von_Hötzendorf#/media/Datei:Franz_Frheiherr_Conrad_von_Hötzendorf_1914_Charles_Scolik.png
Die Unsicherheit der Haltung Italiens bei Ausbruch des Weltkrieges veranlasste den k.u.k. Generalstabschef Conrad sehr früh, Vorsorge für die Verteidigung der Reichsgrenze gegen Italien zu treffen. Schon am 11. August 1914 wurde General der Kavallerie Franz Rohr damit beauftragt, die Reichsverteidigung im Südwesten der Monarchie zu organisieren. Sein Befehlsbereich erstreckte sich auf die Militärterritorialbereiche Graz und Innsbruck.[1] Der Militärkommandant in Innsbruck sollte Tirol – gestützt auf die Befestigungen – behaupten, während der Militärkommandant von Graz einen eventuellen feindlichen Vormarsch aus Venetien Richtung Wien so lange verzögern sollte, bis Truppen von anderen Kriegsschauplätzen herangezogen werden konnten.
Die unmittelbar verfügbaren militärischen Kräfte waren allerdings dürftig. Neben den ausgebildeten, aber schwachen Besatzungen der Sperren, Eisenbahnsicherungsabteilungen, Grenzfinanzwachen und Landsturm-Gendarmerie-Assistenzen verfügte Rohr bloß über die Ersatzkörper der Territorialbereiche Graz und Innsbruck.[2] Deren ausgebildete Marschkompanien mussten allerdings regelmäßig der Front zugeführt werden.
[1] Der Militärterritorialbereich Innsbruck umfasste Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich; der Militärterritorialbereich Graz Kärnten, Steiermark, Krain und Küstenland. [2] Dazu Schmid, Julius: Verteidigungsmaßnahmen Österreich-Ungarns an der Südwestgrenze vom Kriegsbeginn bis zum Eintritt Italiens in den Weltkrieg am 23. Mai 1915, in: Wissen und Wehr. Berlin 1930, S. 83–94.
General der Kavallerie Franz Rohr (von Denta; 1854–1927)
Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Rohr_von_Denta#/media/Datei:Rohr_Franz_1865_1927_Gdk_Austria_1911.jpg
Am 16. April 1915 befahl das Armeeoberkommando (AOK), bei einem Einbruch der Italiener mit Deckungstruppen den Kampf am Isonzo aufzunehmen. Nach Erkundung der Stellungen und Bereitstellung der Arbeitskräfte wurde schließlich am 27. April der erste Spatenstich zu der gedachten Verteidigungslinie getan. General der Kavallerie Rohr, der inzwischen einem Armeekommandanten gleichgestellt worden war, sollte Mitte Mai – ohne Verstärkungen – über 112 Bataillone, 9 Schwadronen und 49 Batterien verfügen.[3]
In der ersten Aprilhälfte waren der deutsche und der österreichisch-ungarische Generalstabschef übereingekommen, das gemeinsame Schwergewicht der Kriegsführung gegen Russland zu richten und Anfang Mai mit einer Durchbruchoperation die russische Armee aus dem Raum Gorlice-Tarnów zur Räumung ihrer Front in Westgalizien zu zwingen. Als Operationsziel hatte man vorerst den Lupkower Pass bestimmt. Die Weiterführung des Feldzuges blieb offen. Sie sollte von der Lageentwicklung an der Westfront und vom drohenden italienischen Kriegseintritt abhängen.
[3] Dazu Österreich-Ungarns letzter Krieg (im Folgenden: Ö.U.L.K.), hg. v. Österreichischen Bundesministerium für Heerwesen und vom Kriegsarchiv, Bd. 2, Wien 1931, S. 296.