Führerwesen vom Alpenverein getragen

Über den Wolkensteiner Bergführer Johann Baptist Mussner, Jahrgang 1879, wird erzählt, er sei zu Fuß über die Seiser Alm zu den Vajolet-Türmen gegangen. Er kletterte mit einem Gast den Pichler-Riss hinauf, stieg danach ins Fassatal ab, kaufte dort mit dem Führerlohn zwei Ochsen und trat mit diesen den Heimweg über das Sellajoch an. Mussner trägt das Bergführer-Abzeichen des DuOeAV.
Foto: Archiv Gregor Demetz

Die Entstehung des Alpinismus als Massenbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte vielerlei Gründe. Es kann als Ausdruck des gesteigerten Selbstwertes der soeben herangereiften Industriegesellschaft verstanden werden, hatte aber sicher auch mit dem geistigen Überbau spätromantischen und idealistischen Gedankenguts zu tun.[1]

Das Bergsteigen wurde ein immer bedeutenderer Zweig des Tourismus. Die rasche Popularisierung des Bergsteigens wäre ohne die Tätigkeit alpiner Vereine undenkbar gewesen. Die bis heute größte Bedeutung erlangte dabei der Alpenverein. Schon 1862 wurde der Österreichische Alpenverein (OeAV) in Wien gegründet, 1869 der Deutsche in München. Beide Vereine schlossen sich 1873 in Bludenz zum zwischenstaatlichen „Deutschen und Österreichischen Alpenverein“ (DuOeAV) zusammen, der 1873 bereits rund 4.000 Mitglieder zählte. Daneben gibt es in Österreich seit 1869 den Österreichischen Touristenklub (ÖTK) und seit 1878 den Österreichischen Alpenklub (ÖAK), 1895 folgte der Touristenverein „Die Naturfreunde“ (TVN).

Sie waren keine exklusiven Clubs, wie der 1857 gegründete britische „Alpine Club“ mit Sitz in London, sondern machten das Bergsteigen zum Hobby breiter, vornehmlich bürgerlicher Kreise. Damit hatten sie an der Erschließung der Alpen einen bedeutenden Anteil: Vor allem der Hütten- und Wegebau trug viel dazu bei, dem Bergsteigen den Ruf des Ausgefallenen und Exklusiven zu nehmen.[2]

[1] Seilinger, Dietmar: Die Entwicklung des österreichischen Heeresbergführerwesens. Pallasch 13/2002, S. 81.
[2] Menger, Heinrich: Mitteilung des DuOeAV 1919. Band 50, S. 173.

Bergführer aus ganz Tirol und Vorarlberg trafen sich Ende März 1910 in Innsbruck zum „Instruktionskurs“.
Foto: DuOeAV München

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