Bergführer in Uniform
Bergführer in Uniform
Die Front der Hochalpen, von der man angenommen hatte, dass sie nie Front werden würde, hatte naturgemäß keinen Aufmarsch. Die ersten kühnen Patrouillen schufen sich am Beginn des Krieges in dem schwierigen Gelände ihre Wege selbst, wählten sich nach eigenem Gutdünken den Ort für ihre Stellungen und Stützpunkte und begannen den bewegten Kleinkrieg in Fels und Eis. Ohne Vorbild, Lehrmeister und taktische Befehle waren sie ganz auf sich selbst und die Erfahrungen, die sie sammelten, angewiesen. In dieser Zeit zu Beginn des Krieges fiel die größte Bewegung im Hochgebirgskrieg. An vielen Frontteilen, in denen mehr Berge aufragten, als Patrouillen zu ihrem Schutze auf ihnen herumkletterten, war die Weite und der Raum für einen Krieg gegeben, der mehr der kühnen Jagd des Jägers nach einem gefährlichen Wild ähnelte, als einem modernen Krieg des 20. Jahrhunderts. Es war die Zeit der Erkundigungen und Vorstöße, der Überfälle und Handstreiche.
Entlang der Grenze zu Italien wurden bereits im Herbst 1914 fünf Tiroler und vier Kärntner Grenzabschnitte („Rayone“) gebildet, bei denen eigene alpine Referenten Dienst taten und alpine Detachements für den Grenzdienst aufgestellt wurden, die interimistisch die Grenzschutzaufgaben der fünf Landwehrgebirgsregimenter übernahmen, die ja mittlerweile an der russischen Front kämpften. Die k.k. Finanzwache sowie Gendarmerieposten, bei denen ja meist ebenfalls bergerfahrene und ortskundige Gendarmen dienten, waren seit 1913 wie die Standschützen ebenfalls landsturmpflichtig, als im Juni 1915 die Kämpfe an der neuen Front aufflammten. Mit Beginn des Krieges gegen Italien war es notwendig, erfahrene, meist aus den Reihen des Alpenvereines stammende Bergführer für den militärischen Dienst heranzuziehen. Viele von ihnen dienten bereits im Heer oder in der Landwehr, einige aber waren noch nicht einberufen und wurden daher gewöhnlich über die Organisation der Standschützen ins Militär übernommen. Da es noch keine militärischen Bergführerabzeichen gab, trugen diese Bergführer oft die entsprechenden zivilen Abzeichen des Alpenvereins zur Uniform.[1]
[1] Hinterstoisser, Hermann (u. a.): Die k.k. Landwehr Gebrigstruppen. S. 286–287.
An allen Gebirgsfronten kamen Bergführerkompanien zum Einsatz, auch auf der Cima d’Oro (Ledro).
Foto: Südtiroler Landesarchiv
Die Erfahrungen aus den Kämpfen im Hochgebirge – insbesondere an der Alpen-Dolomiten-Front – zeigten bald schon die Notwendigkeit besonderer Spezialformationen, die dort eingesetzten Truppenformationen betreffend, auf und bewogen im Sommer 1915 die oberste Heeresleitung der Monarchie zur Errichtung von alpinen „Streifenkompagnien“, die im Spätherbst 1917 in „Hochgebirgskompagnien“ umgewandelt wurden. Neben den 20 Hochgebirgskompanien gab es eine weitere Spezialformation für den Hochgebirgseinsatz, die „Bergführer-Kompagnien“. Während mit ersterer eine leichte, bewegliche Einheit geschaffen worden war, die mit ihrer im Gebirgsdienst gut ausgebildeten Mannschaft und hoher Kampfkraft im schwierigen Gelände und zu jeder Jahreszeit Aufklärungsdienst zu versehen und als Kampftruppe aufzutreten hatte, waren die Bergführerkompanien stets an einen alpinen Frontabschnitt gebunden und unterstanden zu jeder Zeit dem zuständigen Abschnittskommandanten.[2]
[2] Kaltenegger, Roland: Die Geschichte der deutschen Gebirgstruppen 1915 bis heute. 1980, S. 127.