Bergführerkompanien
Bergführerkompanien
Um der im Hochgebirge eingesetzten Truppe, die ja oftmals zum überwiegenden Teil nicht aus berggewohnten Soldaten bestand, fachlich kompetente Ratgeber und Führer zur Seite zu stellen, wurden ab 1916 13 spezielle „Bergführerkompanien“ aufgestellt. Diese waren allerdings nur administrative Verbände, denn die Verwendung der Bergführer erfolgte durch patrouillenweise Zuteilung zu den jeweiligen Truppen. Sie unterstanden dem jeweils zuständigen Abschnittskommandant. Zentrum der Ausbildung für den Hochgebirgsdienst war das „Alpine Depot“ in Bozen mit je zwei Instruktions- und Einsatzkompanien. Eine dieser Kompanien wurde später nach St. Christina ins Grödnertal verlegt. Außerdem gab es ständige Außenstellen für Kurse am Moserboden bei Kaprun (Salzburg) für die Sommeralpin- und am Arlberg für die Winteralpinausbildung. Die Kursteilnehmer waren Freiwillige, meist mit entsprechenden Vorkenntnissen, die dann je nach Eignung den Bergführer- bzw. den Hochgebirgskompanien zugeführt wurden. Da eine sorgfältige Auswahl der Mannschaft stattfand, waren die Erfolge bei diesen Kursen sehr beachtlich und die daraus hervorgehenden Bergführer bewährten sich glänzend.[1]
Die Erfahrungen im Krieg in den Bergen wurden sorgfältig ausgewertet und – zunächst oft improvisiert – in Behelfe und Vorschriften formuliert. 1917 erschien mit der Reihe „Der Gebirgskrieg“ des k.u.k. Kriegsministeriums die erste allgemeingültige Alpinvorschrift. Ein eigenes Heft derselben widmete sich der Ausrüstung und Bekleidung. Es enthält detailliert die für Bergführer vorgesehenen Ausrüstungsgegenstände. Neben der allgemeinen Gebirgs- und Hochgebirgsausrüstung gab es für jeden Bergführer ein Paar Kletterschuhe, den Eispickel, eine Dose Gletschersalbe, einen Spirituskocher, eine Thermosflasche, eine Klapplaterne, ein Bergseil, die Signalpfeife, zwei Mauerhaken und einen Kletterkarabiner sowie die Bezard Bussole (Kompass) und bei Bedarf Ringe für Seilleitern. Offiziere und Unteroffiziere der Bergführerabteilungen erhielten zudem einen barometrischen Höhenmesser, einen Feldstecher und ein Klinometer (Neigungsmesser).[2]
[1] Menger, Heinrich: Mitteilungen DÖAV 1919, Band 50, S. 175. K.u.k. Heeresgruppenkommando FM Fhr. v. Conrad, zu Op. Nr. 26.348/1917: Bestimmungen für die Bergführer-Kompanien. ÖStA/KA/AOK-Op.-Abteilung/Op. Akten 1917. Kt. 135. [2] Hinterstoisser, Hermann u. a. (Hg.): Die k.k. Landwehr Gebirgstruppen. Geschichte, Uniformierung und Ausrüstung der österreichischen Gebirgstruppen von 1906 bis 1918, Wien 2006, S. 287.
Die Kämpfe im Hochgebirge, insbesondere an der Dolomitenfront, zeigten bald schon die Notwendigkeit besonderer Spezialformationen.
Wann immer es darum ging, im Sturm über Türme, Wände, brüchige Felsgrate, Eiswände oder sogar durch deren Inneres feindliche Stellungen zu erobern, unter feindlichem Feuer Wege zu schaffen, Verwundete über glatte Felswände abzuseilen oder Ähnliches zu tun, musste die Bergführerkompanie heran. Einzelne Bergführer waren seit Kriegsbeginn verschiedenen Truppen oder Rayons zugewiesen. Diese waren oftmals als Angehörige des k.k. Landsturms bzw. der Tiroler Standschützen eingerückt. Manche Bergführer scheinen nur zeitweise als Angehörige der Bergführerkompanien in der halbjährlich angeführten Kriegsgliederung der k.u.k. Armee als Korpsarmee unmittelbar auf, andere waren fix den Brigaden und höheren Kommanden zugeteilt.
Erkundungspatrouille in einer Gletscherspalte
Foto: Österr. Kriegsarchiv Wien
Das Bergführertruppenkommando der 10. Armee hatte seinen Sitz mit dem alpinen Hauptdepot in Bozen. Ihm unterstanden die Bergführerkommanden des Truppenkommandos Erzherzog Peter Ferdinand, ferner des 20. Korpskommandos sowie das der 56. Schützendivision. Diesen drei Kommanden waren nachstehende Bergführerkompanien (BFKp) unterstellt: BFKp Nr. 1 Ortlergebiet, BFKp Nr. 10 Marmolata, BFKp Nr. 2, 9 und 11 Adamello bzw. Tonale, BFKp Nr. 3, 12 und 13 südliches Adamellogebiet bis Riva, BFKp Nr. 4 Lafraun und Bielgereuth. Dem Bergführerkommando der 11. Armee unterstanden BFKp Nr. 5, 6, 7 und 8.
Die Aufstellung der Einsatzgebiete der Bergführerkompanien hatte nur bis 1917 Gültigkeit. Nach Rückzug der Italiener aus dem Dolomitengebiet verlagerte sich das Kampfgeschehen an die westliche Reichsgrenze.[3]
Hauptmann Bilgeri gelang es in dieser Phase auch, eine Art ständige Fortbildungseinrichtung für die bis dahin ausgebildeten Bergführer und alpinen Referenten einzuführen. Dazu wurden zuerst unregelmäßig und in weiterer Folge monatlich für Bergführer, alpine Referenten und Kommandanten Zusammenkünfte in Bozen organisiert, die dort Erfahrungen, Lehrmethoden und lehrreiche Erlebnisse bei hochalpinen Kampfhandlungen ausgetauscht und ihre Lehren daraus gezogen haben. Das war natürlich für den gesamten Bereich des Kampfes im Gebirge sehr förderlich und trug zur Vereinheitlichung der Ausbildung bei.
[3] Rigele, Fritz: Die k.u.k. Bergführertruppe im Weltkrieg, Zeitschrift des DuOeAV 1928, S. 261.