Unterstützende Einrichtungen
Unterstützende Einrichtungen
Eine wesentliche Erleichterung in der Kriegschirurgie des Ersten Weltkriegs brachte der Einsatz von Röntgenapparaten und Röntgeneinrichtungen in den Sanitätsanstalten, aber auch von mobilen Feldröntgengeräten direkt an der Front. Im Jahre 1909 wurde erstmals die Verwendung eines von Pferden gezogenen österreichischen Feldröntgenwagens erprobt. Im Ersten Weltkrieg wurden zunächst Untersuchungen des Brustkorbs durchgeführt, in weiterer Folge des Magens und des Herzens. Am häufigsten erfolgten jedoch Röntgenuntersuchungen zur Lokalisierung von Geschoßen und Granatsplittern vor Operationen. Röntgenbestrahlungen – beispielsweise zur Behandlung von Erfrierungen – wurden während des Ersten Weltkriegs selten und wen dann nur von erfahrenen Röntgenologen in Sanitätsanstalten im Hinterland durchgeführt.
Bei Kriegsbeginn musste man auf Techniker und Monteure der Röntgenfirmen zurückgreifen.
Während des Krieges wurden laufend sogenannte „Apparatemänner“, hauptsächlich Uhrmacher, Fotografen, Feinschlosser und Elektromechaniker, in sechswöchigen Kursen für die röntgenologische Tätigkeit in den Laboratorien der Militärsanitätsanstalten ausgebildet. Neben der Durchführung von Aufnahmen aller Körperteile im Feld wurden Lichttherapie, Gebrauch und Instandhaltung der Röntgenapparate gelehrt. Ab dem Jahre 1916 setzte man verstärkt weibliches Personal zur Röntgenassistenz ein. Eine Sonderstellung innerhalb der röntgenologisch tätigen Militärärzte nahmen die Zahnärzte ein. Infolge des Schützengrabenkriegs, aber auch der Steinsplitterwirkung im Hochgebirgskrieg traten vermehrt Kopf- und Kieferverletzungen auf, die die Errichtung zahnärztlicher Feldlaboratorien mit Röntgeneinrichtungen erforderten. Zu Kriegsbeginn war es üblich, Röntgenaufnahmen auf großformatigen Glasplatten aufzuzeichnen. Dies erwies sich auf Dauer als ungünstig, denn die Glasplatten waren leicht zerbrechlich, aber auch unhandlich und schwer zu transportieren. Daher wurden zunächst kleine Papierkopien gemacht. Aus Ersparnisgründen fertigte man im Verlauf des Krieges dann meist nur noch Papierskizzen der Röntgenaufnahme oder des Durchleuchtungsbildes an. Eine Verbesserung der Aufnahmen bot die während des Krieges neu eingeführte Kontrastmittelmischung von 120–150 g Bariumsulfat mit 400 g verdünnter Milch. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang der 1902 vom Stapel gelaufene Dampfer „Africa“, der während des Ersten Weltkriegs als „Dampfer X“ das einzige mit einem Röntgenlaboratorium versehene Spitalsschiff war, in dem Untertischdurchleuchtungen und Operationen unter Röntgenlicht erfolgen konnten. Dieses Spitalsschiff bot während des Krieges rund 10.000 Militär- und Zivilpersonen ärztliche Versorgung.[1]
Im Verlauf des Ersten Weltkriegs waren Tragtiere in der Transport- und Verwundetenversorgung zu unersetzlichen Hilfsmitteln geworden. Das für die Tiere zuständige Personal gliederte sich in Tierärzte und Kurschmiede. Zu ihren Aufgaben zählten die Behandlung erkrankter und verletzter Tiere, aber auch prophylaktische Maßnahmen, um die Verbreitung von epidemisch auftretenden Infektionskrankheiten zu verhindern.
Letztere Aufgabe gewann im Verlauf des Krieges immer mehr an Bedeutung. Anlässlich einer Kontrolle des Veterinärdienstes an der Tirolerfront sandte das k.u.k. Armeeoberkommando folgendes Schreiben an das Heeresgruppenkommando Generaloberst Erzherzog Eugen: „Zum Zwecke der leichteren Seucheneindämmung und -tilgung empfiehlt es sich, die Tiere in nicht zu großen Beständen aufzustellen, sondern sie gruppenweise voneinander isoliert unterzubringen. Aus dem gleichen Grunde sollen Ansammlungen von großen Rinderbeständen möglichst vermieden werden. […].“[2]
Für die Versorgung von verwundeten und erkrankten Tieren standen Pferdespitalssektionen, mobile Pferdespitalssektionen und Etappenpferdespitäler zur Verfügung.[3]
[1] Vgl. Wichtl, Otto: Die Militärröntgenologie der österreichisch-ungarischen Monarchie während des Ersten Weltkrieges. In: Österreichische Krankenhaus-Zeitung Nr. 34/1993 – Sonderfolge Radiologie. Wien 1993, S. 65 ff. [2] ÖStA, KA, NFA Qu. Abt. d. HGK Eh. Eugen 1916, K 706, Rub. 19-6/8-1. [3] Vgl. ÖStA, KA, NFA Qu. Abt. d. HGK Eh. Eugen 1916, K 706, Rub. 19-5/32-1 und ÖStA, KA, NFA Qu. Abt. d. HGK Eh. Eugen 1917, K 735, Rub. 2-5/1-51.
Sanitätshund
Foto: Obst iR Neidhard
In diesem Zusammenhang muss auch die Sanitätshundestaffel erwähnt werden, die eingesetzt wurde, um Verwundete in der Dunkelheit, im unübersichtlichen Gelände oder im gefechtsnahen Bereich aufzuspüren, aber auch im Bereich der Lawinensuche. Als besonders geeignet erwiesen sich Schäferhunde, Dobermannpinscher und Airdale-Terrier, und hier vor allem Hündinnen, weil ihr Sexualtrieb geringer ausgeprägt ist als bei Rüden und sie somit von ihrer Aufgabe weniger abgelenkt waren. Die Ausbildung der Sanitätshunde umfasste das Ausführen von Befehlen, das Orientieren im Gelände, das Überwinden von Hindernissen und das Aufspüren von Verwundeten. Besonders wichtig war, dem Hund das Bellen abzugewöhnen, denn jedes Geräusch konnte die feindliche Artillerie aufmerksam machen und die eigenen Stellungen verraten. Hatte ein Hund einen Verletzten aufgespürt, legte er sich zunächst auf den Verwundeten, um ihn zu wärmen. Ohnmächtige versuchte das Tier durch Belecken der Wunden und des Gesichtes aufzuwecken. Mitunter überbrachte der Hund Verbandspäckchen oder Cognac. Anschließend meldete er dem Hundeführer seinen Fund. Dieser verständigte dann die Sanitätsmannschaften und der Verwundete konnte gerettet werden.[4]
Unterstützt wurden die militärsanitätsdienstlichen Einrichtungen von Zivilspitälern, zivilen Kur- und Heilanstalten, den Universitätskliniken und von Spitalseinrichtungen des Roten Kreuzes sowie diverser Ordensgemeinschaften. Auch die Eingliederung des freiwilligen Rettungswesens in den Militärsanitätsdienst funktionierte vorbildlich. Die zivilen Einrichtungen waren mit dem gleichen Material ausgestattet wie das Heer, die Schulung des Personals erfolgte durch Militärärzte. Innerhalb der freiwilligen Sanitätspflege leisteten zahllose Krankenschwestern in Spitälern, aber auch im Frontbereich wertvolle Hilfe in der Verwundeten- und Krankenbetreuung.
Das Rote Kreuz stellte unter anderem folgende Einrichtungen zur Verfügung: Feldspitäler, mobile Epidemiespitäler, Feldhilfs- und Labestationen, Eisenbahnsanitätszüge, Eisenbahnhilfs- und Labestationen, Seespitalschiffe, Sanitätsfelddepots, ein bakteriologisches Eisenbahnlaboratorium, Blessiertentransportkolonnen, Reservespitäler und Rekonvaleszentenhäuser im Hinterland der Monarchie, ortsfeste Krankenhaltestationen, Lokaltransportkolonnen für die Beförderung von Verwundeten von den Bahnhöfen zu den Spitälern, Depots zur Sammlung von freiwilligen Gaben und Geschenken und ein zentrales Nachweisbüro mit mehreren Auskunftsbüros, die nach vermissten Soldaten suchten.
Als eine seiner Hauptaufgaben erwies sich die Bereitstellung von Hilfsmittel für die Verpflegung und Versorgung von verwundeten und erkrankten Soldaten sowie die Bereitstellung zahlreicher therapeutischer Behelfe.
[1] Vgl. Wichtl, Otto: Die Militärröntgenologie der österreichisch-ungarischen Monarchie während des Ersten Weltkrieges. In: Österreichische Krankenhaus-Zeitung Nr. 34/1993 – Sonderfolge Radiologie. Wien 1993, S. 65 ff. [2] ÖStA, KA, NFA Qu. Abt. d. HGK Eh. Eugen 1916, K 706, Rub. 19-6/8-1. [3] Vgl. ÖStA, KA, NFA Qu. Abt. d. HGK Eh. Eugen 1916, K 706, Rub. 19-5/32-1 und ÖStA, KA, NFA Qu. Abt. d. HGK Eh. Eugen 1917, K 735, Rub. 2-5/1-51. [4] Vgl. Rauch, Rudolf: Selbstverstümmler. In: Breitner (Hg.): Ärzte und ihre Helfer, S. 305.
Weiters kamen ein von der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz entwickeltes Feldchirurgenautomobil mit Operationsbeiwagen und 31 Wasserbettstationen zur Behandlung von Schwerverletzten zum Einsatz. Für alle Kriegsschauplätze stellte das Rote Kreuz darüber hinaus bakteriologische Feldlaboratorien, Feldbadegarnituren, Desinfektionskisten, Feldchirurgenkraftwägen, fahrbare Eismaschinen und Feldzahnambulatorien zur Verfügung.[5]
Das Rote Kreuz spielte auch eine wichtige Rolle in der Behandlung und Betreuung von Invaliden. Bei schwer Kriegsversehrten versuchte man, abgetrennte Gliedmaßen durch Prothesen zu ersetzen. Spitäler, die solche Operationen durchführten, gab es vor allem in der Schweiz. Dort lernten Soldaten aller Nationen mit Holzbeinen zu gehen und Holzarme oder andere künstliche Gliedmaßen bei beruflichen Tätigkeiten einzusetzen.[6] Neben dem Roten Kreuz leisteten der Deutsche Ritterorden[7], der Souveräne Malteser Ritterorden[8] sowie andere
Vereine und Einzelpersonen freiwillige Sanitätspflege. Einen wertvollen Beitrag in der Verwundeten- und Krankenbetreuung leisteten während des Ersten Weltkriegs auch die über 3.000 militärischen Feldgeistlichen. In der Regel hielten sie sich auf den Hilfsplätzen und Hauptverbandsplätzen auf und waren den dort tätigen Ärzten in allen Diensten behilflich. Sie betreuten Kriegsgefangene, leisteten Sterbenden geistlichen Beistand, verbanden Wunden und labten Verletzte. Aber auch in den Spitalseinrichtungen, in Krankensammelstationen, Epidemiespitälern, Labestationen und Verwundetenzügen übernahmen Militärgeistliche Pflegedienste.[9]
[5] Vgl. Vilt, Walter: Die Entwicklung der österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz von den Anfängen bis in die Gegenwart. Wien: Diss. 1981, S. 130ff., 152ff. [6] Vgl. Museum Kötschach-Mauthen, Exponate der österreichischen Sanitätseinrichtungen. [7] Vgl. Brosch-Fohraheim, Lothar: Heerwesen III. Teil, Geschichte des österreichischen Heerwesens und die historische Entwicklung in der österreichischen Armee. Wiener-Neustadt 1970, S. 77 ff. [8] Vgl. Gasch, Mary: Im Dienste des Nächsten. Wien 1979. [9] Vgl. Lipusch, Viktor: Österreich-Ungarns katholische Militärseelsorge im Weltkriege. Graz 1938, S. 140 ff, 423.