Offizielle Verkündung des Volkssturms

Gauleiter Hofer spricht in der Kaserne in Gossensass zu den angetretenen Führern und Unterführern der (militanten) Standschützen (18. Oktober 1944).
Foto: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Himmler ging Ende November 1944 davon aus, dass der Volkssturm (1. bis 4. Aufgebot) insgesamt 6 Millionen Mann umfassen würde.[5]

Nördlich des Brenners sowie östlich und westlich des Arlbergs ging Gauleiter Hofer daran, Standschützenbataillone und -kompanien aufzustellen. Südlich des Brenners wurden erst etwas später die Bataillone aufgestellt. Unter der Schlagzeile „Am Südwall des Reiches – da stehen wir!“ wurde am 19. Oktober 1944 der Öffentlichkeit die Existenz der „Standschützenbataillone als Deutscher Volkssturm des Gaues Tirol-Vorarlberg“ vorgestellt. Diese waren am Tag zuvor in Gossensass vor Hofer angetreten.[6]

Es wurde in diesem Zeitungsartikel erwähnt, dass schon über ein Jahr zuvor an Hofer aus dem Standschützenverband Tirol-Vorarlberg die Bitte herangetragen worden war, aus den Standschützen Formationen zu bilden und diese im Südraum einzusetzen. Damals konnte dem Wunsch nicht entsprochen werden. Mittlerweile wurden laut diesem Bericht Tausende von Standschützen in Sicherungsverbänden formiert und eingesetzt.[7] Doch jetzt, da der Volkssturm aufgeboten wurde, „ist die Stunde gekommen, um die gesamte Wehrkraft (…) des Gaues Tirol-Vorarlberg restlos aufzurufen und, der Überlieferung entsprechend, in Gestalt von Standschützenbataillonen in das Gesamtaufgebot (Anmerkung: des gesamten Deutschen Volkssturms) einzureihen“.[8]

[5] Kissel, Der Deutsche Volkssturm 1944/4, S. 115.
[6] Innsbrucker Nachrichten vom 19.10.1944 (ÖNB) und Bozner Tagblatt vom 19.10.1944 (Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann, Bozen) unter der gleichen Schlagzeile ein nahezu gleichlautender Bericht.
[7] Innsbrucker Nachrichten vom 19.10.1944 (ÖNB) und Bozner Tagblatt vom 19.10.1944 (Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann) unter der gleichen Schlagzeile ein nahezu gleichlautender Bericht.
[8] Bozner Tagblatt vom 20.10.1944, Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann.

Führer und Unterführer der (militanten) Standschützenbataillone sind in der Kaserne in Gossensass am 18. Oktober 1944 angetreten.
Foto: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Gauleiter Hofer schreitet mit dem militärischen Ausbildungsleiter der (militanten) Standschützen Major Lapp (im Bild rechts von Hofer) in der Kaserne in Gossensass die Front der angetretenen Führer und Unterführer der (militanten) Standschützen ab (18. Oktober 1944).
Foto: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

(V. l.) HJ-Gebietsführer von Tirol-Vorarlberg Otto Weber, Hofers „Beauftragter für politische Ausrichtung“, unbekannt, der militärische Ausbildungsleiter der Standschützen Major Karl-Walter Lapp, unbekannt, Gauleiter Franz Hofer. Das Foto wurde mit großer Wahrscheinlichkeit in Gossensass am 18. Oktober 1944 aufgenommen.
Foto: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Der für diese Untersuchung Zuständige war ein Oberst Nobiling.[11] Am 27. Juli 1944 erließ Adolf Hitler eine Weisung, dass ein weit hinter der Front liegendes „rückwärtiges“ Stellungssystem in Norditalien auszubauen sei, und zwar u. a. „die im großen erkundete Voralpenstellung“. „Den Ausbau leitet verantwortlich (…) der Oberste Kommissar der Operationszone Alpenvorland (Anmerkung: Franz Hofer) in der Voralpenstellung von der Schweizer Grenze bis Piave-Tal südlich Longarone (einschließlich).“[12] Im Herbst 1944 wurden unter Generalmajor Marcinkiewicz auch die altösterreichischen Befestigungsanlagen auf ihre Eignung als Abwehrstellung einbezogen. Einige wenige Sperranlagen, wie im Etschtal bei Ala und am Passo Pian delle Fugazze – beide in der Nähe der Alttiroler Grenze – wurden neu gebaut, ebenso einige Militärstraßen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs reaktiviert.[13] [14] Für alles Weitere blieb kaum mehr Zeit.

[11] Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Bd. 17, S. 175.
[12] Hubatsch, Walther: Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939–1945, Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht, Koblenz 1983, S. 267.
[13] Hentschel, Rolf: Der Alpenwall in Südtirol, Aachen 2014, S. 19.
[14] Savegnano, Paolo: Le organizzazioni Todt e Pöll in provincia di Vicenca, Sommacampagna, 2012, Bd. II, S. 17 ff.

Marsch von Standschützen durch Innsbruck im November 1944. Es handelt sich hier um die erste Kompanie des ersten Bataillons. Ganz rechts ein Ausbildner der Wehrmacht.
Foto: APA PictureDesk

Am 23. Oktober 1944 „marschierte die erste geschlossene Standschützentruppe durch die Straßen der Gauhauptstadt“ Innsbruck.[15] „Unter der Führung ihrer Ausbildner machte die Truppe einen ausgezeichneten, im Verhältnis zur Kürze der bisherigen Ausbildungszeit überraschend guten Eindruck.“[16] Anfänglich sprach man zur Unterscheidung von den Schützen aus dem Standschützenverband zu jenen des Volkssturms von „militanten“ Standschützen. Relativ rasch ließ man das „militante“ weg, denn der Begriff „Standschütze“ sprach ja ohnehin für sich selbst.

[15] Innsbrucker Nachrichten vom 24.10.1944, ÖNB.
[16] Innsbrucker Nachrichten vom 24.10.1944, ÖNB.
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