Fahnen und Vereidigung der Standschützen
Fahnen und Vereidigung der Standschützen
Am 27. Oktober versandte Bormann ein Fernschreiben mit der Eidesformel des Deutschen Volkssturms, das auch an alle Gauleiter ging, und er gab bekannt, dass die Vereidigung am 12. November erfolgen würde. Die Eidesformel, die auch die Standschützen leisten mussten, lautete:
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Großdeutschen Reiches, Adolf Hitler, bedingungslos treu und gehorsam sein werde. Ich gelobe, dass ich für meine Heimat tapfer kämpfen und lieber sterben werde, als die Freiheit und damit die soziale Zukunft meines Volkes preiszugeben.“[1]
Am 30. Oktober übermittelte Bormann ein Fernschreiben an alle Gauleiter, wo er eine Anordnung betreffend Fahnen des Deutschen Volkssturms gab:
„Im Einvernehmen mit dem Reichsführer SS ordne ich an:
- Die Bataillone des Deutschen Volkssturms erhalten Fahnen.
- Die Bataillonsfahnen werden von der Partei gestellt.
- Hierzu sind unter Berücksichtigung der örtlichen Tradition nicht nur Hoheitsfahnen der Ortsgruppen, sondern auch Fahnen der Gliederungen und Verbände zu bestimmen. Die Entscheidung trifft der Kreisleiter.
- Die Fahnen der Volkssturmbataillone tragen in der inneren unteren Ecke einen schwarzen Spiegel, der in weißer Maschinenstickerei die Nummer des Gaues und der Einheit 10 cm hoch … sowie den Namen des Kreises (6 cm hoch) zeigt“[2]
An dieser Stelle ein kleiner Blick zurück: Die Tiroler Schützen verfügen seit alters her oft bis in die kleinste Ortschaft über Schützenfahnen. In Südtirol befürchtete man, dass die regierenden Faschisten diese zum Teil sehr alten Fahnen beschlagnahmen könnten. Um sie vor „vollständigem Zugrundegehen zu bewahren“, wurden ab 1931 solche Fahnen samt Fahnenbändern nach Nordtirol verbracht und dort zur treuhändischen Verwahrung durch das Kaiserschützenmuseum übernommen.[3] Wiewohl die meisten Fahnen und Fahnenbänder erst nach 1945 bis in die 1950er-Jahre wieder zurück nach Südtirol gingen, erfolgten vereinzelt Rückstellungen im Jahre 1944.
Nachfolgend hierzu ein seltenes Dokument: Bestätigung des Standschützenverbandes der Provinz Bozen, die Fahnenbänder zur Standschützenfahne von Algund am 23. November 1944 erhalten zu haben. [4]
[1] Fernschreiben von Bormann vom 27.10.1944, 20:05 Uhr, an alle Reichsleiter, Gauleiter und Verbandsführer, BArch, NS 6/314, fol. 74. [2] Fernschreiben Bormann vom 30.10.1944, 21:35, Uhr an alle Gauleiter, BArch, NS 6/ 314, fol. 99. [3] Tiroler Volkskunstmuseum, Archiv, Akt Fahnen aus Südtirol [ohne Signatur] [4] Tiroler Volkskunstmuseum, Archiv, Akt Fahnen aus Südtirol [ohne Signatur]
Tiroler Volkskunstmuseum, Archiv, Akt Fahnen aus Südtirol [ohne Signatur]
Eine Vereidigung von Standschützen in Vorarlberg am Freitag, dem 15. Dezember 1944. Auf dem Spiegel der Fahne kann man den Wortteil „Vorarl“ erkennen. Auf dem Stahlhelm des rechts von der Fahne stehenden Standschützen sieht man das Abziehbild der Deutschen Polizei.
Foto: APA PictureDesk
Die oben erwähnte Fahnen-Anordnung Bormanns gestattete es, die „örtliche Tradition“ mit Einverständnis des Kreisleiters zu berücksichtigen. Bei den Vereidigungen von Standschützen nördlich und südlich des Brenners sowie westlich des Arlbergs wurden sicher sehr oft auch alte Schützenfahnen mitgeführt. In Schlanders erfolgte um Weihnachten 1944 die Vereidigung von Standschützen des Kreises Schlanders, die von einem Ausbildungslehrgang heimgekehrt waren und von Kreisleiter Wielander unter Eid genommen wurden. Bei dieser Veranstaltung nahmen neben den Standschützeneinheiten Vertreter aller Gliederungen, ein Zug der Polizei, Standschützen von Schlanders und Umgebung in Tracht mit alten Schützenfahnen und zwei Musikkapellen Aufstellung. Der Kreisleiter verlas die Kampfsätze der Standschützen und sprach die Eidesformel, die von den Standschützen mit zum Schwur erhobener Hand laut nachgesprochen wurde.[5]
[5] Artikel „Kreis Schlanders – Vereidigung der Standschützen“, in: Bozner Tagblatt vom 27.12.1944, Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann.
Die ersten Vereidigungen der Standschützen fanden (so wie reichsweit beim Volkssturm) am Sonntag, dem 12. November 1944 statt. Am Tag zuvor kehrten diejenigen Standschützen in ihre Heimatorte zurück, die zum 1. Ausbildungslehrgang für Führer und Unterführer eingezogen worden waren.[6] Danach fanden laufend nach Ende der Ausbildungen weitere Vereidigungen statt, über die oft in den Innsbrucker Nachrichten und im Bozner Tagblatt berichtet wurde, besonders wenn Hofer dabei war und eine flammende Rede hielt. Die letzte Vereidigung von Standschützen soll am 20. April 1945, also nicht einmal drei Wochen vor der Kapitulation Nazi-Deutschlands, in Gossensass stattgefunden haben.[7]
Mitte Jänner 1945 wurde in einem Zeitungsartikel berichtet, dass Hofer eine stattliche Anzahl von Teilnehmern der ersten Standschützen-Lehrgänge zu einem neuerlichen Lehrgang einberufen habe. Nach einer einwöchigen Ausbildung in einem Talstandort wurde der Lehrgang ins Hochgebirge verlegt und schlug „in 2400 Meter Höhe sein neues Lager auf, um hier den Teilnehmern die Erfahrungen des modernen Gebirgskrieges zu vermitteln“.[8] Insbesondere betonte man in diesem Artikel, dass die meisten Teilnehmer das 50. Lebensjahr bereits überschritten hatten und sie gezeigt hätten, dass sie den Anforderungen, die auf jüngere Teilnehmer abgestellt waren, gerecht wurden. Skifahren wurde dort ebenfalls unterrichtet, auch vorherige Nicht-Skifahrer nahmen an dieser Ausbildung teil. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fand die Ausbildung in Madonna di Campiglio statt, da am 1. Dezember 1944 der Kommandeur der Ordnungspolizei (KdO) in Bozen (Dienststelle IVa) in der Begründung einer Auszahlungsanordnung schreibt:
„Zur Aufstellung des Standschützen-Lehrgang [sic!] in Madonna di Campiglio werden Schi-Ausrüstungen benötigt. Da das dazu erforderliche Zubehör für Schi-Ausrüstungen, wie Schiwachs usw., nicht vorrätig ist und auf dienstlichem Wege nicht sofort zugewiesen werden kann“, wurden zwei Angehörige der Polizei durch ihn beauftragt, „das Zubehör in Trient aufzukaufen. Zur Bezahlung des aufzukaufenden Zubehörs wurde den beiden Wachtmeistern ein Handvorschuß von 50.000 Lire ausgehändigt.“[9]
[6] Artikel „Volkserhebung erfüllt das Vermächtnis der Toten – Rückkehr der Standschützen“, in: Innsbrucker Nachrichten vom 11.11.1944. ÖNB. [7] Kaltenegger, Operation Alpenfestung, S. 288. [8] Artikel „Standschützen im winterlichen Hochgebirge“, in: Innsbrucker Nachrichten vom 15.01.1944, ÖNB. Anm. d. Verf.: Auch im Bozner Tagblatt vom 10.01.1945 wurde über diesen Hochgebirgs-Lehrgang berichtet. [9] Auszahlungsanordnung des Kommandeurs der Ordnungspolizei in Bozen vom 01.12.1944, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18.
Vereidigung in Schlanders
Foto: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck
Da es offensichtlich immer schwieriger wurde, neben der Wehrmacht auch den Volkssturm mit den notwendigen Ausrüstungsgegenständen zu versorgen, wurde reichsweit ab 7. Jänner 1945 eine Sammelaktion mit dem Namen „Volksopfer“ ins Leben gerufen. Hofer übernahm diese Aktion in der Operationszone Alpenvorland, wo im Bozner Tagblatt am 10. Jänner ein von Hofer unterzeichneter Aufruf erschien. Darin schreibt Hofer: „Für die Ausrüstung und Bekleidung der in großer Zahl aufgestellten Standschützenbataillone werden ebenfalls Rohstoffe und Ausrüstungsgegenstände benötigt, und zwar Uniformen und Uniformteile aller Art, tragfähiges Schuhwerk – und vor allem Berg- und Skischuhe –[,] Zeltbahnen und Zeltzubehör, Woll- und Felldecken, Brotbeutel, Rucksäcke, Kochgeschirre, Koppel- und Schulterriemen, Spaten, Stahlhelme, Kompasse, Feldstecher und alles andere, was der Standschütze braucht. Besonders wichtig sind Kleidungs- und Wäschestücke, vor allem Winterkleidung …“[10]
Die notwendige Umfärbung von gespendeten Uniformen, z. B. den braunen Parteiuniformen, war Bormann sogar die Herausgabe einer eigenen Anordnung an alle Gauleiter wert.[11]
Auch die Versorgung mit Benzin war extrem schlecht und konnte das Leben von Standschützen gefährden. In einem Aktenvermerk an den stellvertretenden Gauleiter, Dipl. Ing. Herbert Parson, schrieb Dr. Hans Czermak[12], der Leiter des Gesundheitswesens in der Reichsstatthalterei Tirol-Vorarlberg, unter dem Betreff „Kraftstoff für den Standschützen-Lehrgang Gossensass“, dass der Oberste Kommissar entschieden habe, den Lehrgängen Gossensass und Mals je 50 Liter Kraftstoff unter Verantwortung des Arztes bereitzustellen. Er schrieb weiter, dass zwischenzeitlich der Standschütze Rudolf S. „wegen durchgebrochenem Magengeschwür“ in die Klinik nach Innsbruck habe überführt werden müssen. Zur Rückfahrt nach Gossensass habe der Krankenwagen kein Benzin mehr gehabt. Czermak bat nun Parson, die dafür notwendigen 15 Liter leihweise zur Verfügung zu stellen. Er betonte weiters, dass die Bereitschaft des Krankenwagens in Gossensass unbedingt erforderlich sei, da sich unter den dortigen Standschützen 50 befänden, die an Magengeschwüren litten, und man daher mit weiteren Magendurchbrüchen rechnen müsse. Zusätzlich wies er darauf hin, dass, wenn in einem solchen Fall nicht rasch operiert werde, mit dem Tod des Erkrankten zu rechnen sei. Er schloss mit den Worten:
„Die Wahrscheinlichkeit solcher Komplikationen ist umso größer, als für diese Magenkranken noch immer kein Weißbrot zur Verfügung steht.“[13]
Auch kam es vor, dass durch Einberufungen zu den Standschützen die ärztliche Versorgung der Zivilbevölkerung extrem angespannt war. In einem Brief vom 19. Oktober 1944 an den Reichsstatthalter (Hofer) beschwerte sich der Landrat des Kreises Bludenz / Gesundheitsamt, dass durch die erfolgte Einberufung eines Zahnarztes zum Volkssturm am 14. Oktober und die Erkrankung eines Dentisten die „ohnehin als kaum tragbar“ zu bezeichnende ärztliche und zahnärztliche Versorgung in Bludenz noch schlechter wurde.
„Da durch die Einberufung des Dr. M. die aufgelaufene Arbeit von den restlichen Zahnbehandlern in keiner Weise mehr bewältigt werden kann, bitte ich ihn wenn möglich wieder nach Bludenz zurück zu schicken.“[14]
Besonders in der Provinz Bozen war die Bereitstellung von Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen für die Standschützen zu einem großen Teil in der Hand der Deutschen Polizei. Die Dienststelle IVa des Kommandeurs der Ordnungspolizei in Bozen legte am 13. Dezember 1944 eine „Nachweisung der im Besitz des Standschützen-Ausbildungslehrgang[s] Gossensass befindlichen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke“ an. Diese 22 Gegenstände umfassende Liste wies beispielsweise folgende Bestände aus: Feldmützen 2.300, Stahlhelme 1946, Feldblusen, Tuchhosen und Mäntel je 2.050, Handschuhe 3.550, Hemden und Unterhosen 3.700, Socken bzw. Fußlappen 5.550 und Patronentaschen 1.820. Dieses Schriftstück wurde ergänzt um einen Vermerk. „Vom Obersten Kommissar wurde geliefert“:
- nach Meran: Decken 6.000, Schuhe 1.200, Essgeschirre 2.500, Bestecke 5.300 und Leinentücher 12.000
- nach Mals: ebenfalls Decken 6.000, Handtücher 4.000 und Schuhe 2.000[15]
Vom Polizei Nachschublager Meran wurde am 5. Dezember 1944 an den Standschützenausbildungs-Lehrgang in Gossensass dringend benötigtes Material zum Reparieren von Schuhen geliefert.[16] Die Pferde des Standschützen-Lehrgangs Schlanders wurden durch einen Stabsveterinär der Polizei auf ihre Gesundheit überprüft. Bei dieser Dienstreise wurde auch die Pferdesammelstelle in Moos bei Meran überprüft.[17]
[10] Bozner Tagblatt vom 10.01.1945, Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann. [11] Anordnung Bormann 11/45 vom 26.01.1945, BArch, NS 6/99, fol. 16. [12] Zu Dr. Czermak: Schreiber, Horst: Ein „Idealist, aber kein Fanatiker“ https://www.horstschreiber.at/texte/ein-idealist-aber-kein-fanatiker/ [Stand: 30. Dezember 2025]. [13] Aktenvermerk Dr. Czermak an den stellvertretenden Gauleiter Parson vom 23.11.1944, Zahl IIIa-Z.VII/4-3/44. TLA, Reichsstatthalter Tirol-Vorarlberg, Faszikel IIIa1. [14] Brief Landrat des Kreises Bludenz / Gesundheitsamt an den Reichsstatthalter in Tirol-Vorarlberg vom 19.10.1944, TLA, Reichsstatthalter Tirol-Vorarlberg, Faszikel IIIa1. [15] Nachweisung der Dienststelle IVa vom 13.12.1944, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18, fol. 116 und 118. SLA. [16] Entnahme-Schein des Pol. Nachschublagers Meran, datiert mit 05.12.1944, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18, fol. 117. SLA. [17] Marschbefehl für den Stabsvet. d. Pol. Dr. S. von Bozen nach Moos bei Meran und Schlanders vom 05.03.1945, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18. SLA.
Flugzettel mit der Angabe, welche Gegenstände dringend gebraucht wurden
Foto: Bestand Herbert Slatner, Wien
Im Frühjahr 1945 kam es dann schließlich noch zu einem Streit innerhalb der Polizei um Polizeiuniformen und Ausrüstungsgegenstände, die im Herbst 1944, anders als offenbar vorgesehen, den Standschützen zur Verfügung gestellt worden waren. Am 13. März schickte der Chef des Stabes beim Höchsten SS- und Polizeiführer in Italien, ein SS-Oberführer With, an den Kommandeur der Ordnungspolizei (KdO) in Bozen, Generalmajor Albert, eine Bitte um Stellungnahme, wer den Befehl zur Ausgabe der dem SS-Polizeiregiment Brixen zustehenden Bekleidungsstücke an die Standschützen erteilt hat. Der mitgesandten Abschrift, datiert mit
6. März 1945, kann entnommen werden, dass zur Ausstattung des im Oktober 1944 aufgestellten SS-Polizeiregiments Brixen (SS-Pol. Reg. Brixen) unter Zugrundelegung einer Iststärke von 2.000 Mann inklusive Reserve insgesamt 2.200 Garnituren zugewiesen worden seien. Der KdO in Bozen habe gemäß Auskunft des Polizei Nachschublagers Meran nur einen geringen Teil dieser Garnituren für die Neueinkleidung dieses Regiments verwendet, während er die große Masse mittels Waggontransport nach Gossensass habe schaffen lassen. Sie dürften dort zur Ausstattung von Standschützeneinheiten verwendet worden sein. Anlässlich der Inmarschsetzung des SS-Pol.Rgt. Brixen zum Fronteinsatz sei eine teilweise Neuausrüstung erforderlich gewesen.
Abschließend wird darauf hingewiesen, dass Bekleidungsstücke aus dem Reich nur mehr in geringen Mengen und Ausrüstungsstücke überhaupt nicht mehr nachgeschoben würden. Der Befehl zur anderweitigen Verwendung dieser Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände soll von Generalmajor Albert erteilt worden sein.[18] Dieser rechtfertigte seine damalige Vorgangsweise am 26. März: Für die Ausstattung des SS-Pol. Rgt. Brixen habe man auf Bestände des Polizei Reserve Bataillons „Defregger“ (Pol. Res. Batl „Defregger“) in Brixen zurückgegriffen, weitere notwendige Gegenstände habe das Polizei Nachschublager Meran geliefert. Die noch fehlenden Hosen – so Albert – seien durch italienische Beutebestände ergänzt worden. Beim Abrücken des Regiments hätten nur mehr Rucksäcke gefehlt und beschafft werden müssen.[19] Dem SS-Oberführer With war diese Antwort zu wenig, da Albert nicht angegeben habe, aus welchem Grund diese ganze Aktion erfolgt sei.[20] An dieser Stelle noch ein paar Worte zum SS-Pol. Rgt. Brixen: Unter Beisein des Obersten Kommissars war die Vereidigung für Ende Februar 1945 vorgesehen. Die Eidesformel wurde vorgelesen, daraufhin war nur undeutliches Murmeln als Antwort zu vernehmen. Die Aufforderung zur Eidesleistung wurde sodann zweimal wiederholt, aber niemand kam ihr nach. Danach wurde die Mannschaft von den reichsdeutschen Unterführern unter Geschrei und Drohungen völlig entwaffnet und in ihrer Unterkunft eingesperrt. Am nächsten Tag wurden sie auf Lastautos verladen und unter schwerer Bewachung nach Schlesien an die Ostfront transportiert.[21] Ob da noch Rucksäcke gefehlt haben, interessierte wahrscheinlich niemanden mehr.
Zum Abschluss des Themas Bekleidung und Ausrüstung nachfolgend die Abbildung eines Briefes vom 29. Jänner 1945: Vom Kommando der Ordnungspolizei in Bozen wurde über die auf Befehl Hofers bis 25. Jänner an die Standschützen-Bataillone in der Operationszone Alpenvorland ausgegebenen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke eine Aufstellung an den SS- Wirtschafter und Intendanten (Heer) beim Höchsten SS- und Polizeiführer in Italien gesandt, der in Varone bei Riva seine Dienststelle hatte.[22]
[18] Brief vom 13.03.1945 des Chefs des Stabes beim Höchsten SS- und Polizeiführer in Italien an KdO GenMjr Albert samt beiliegender Abschrift vom 06.03.1945, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18. SLA. [19] Brief vom 28.03.1945 des KdO beim SS- und Polizeiführer beim Obersten Kommissar für die Operationszone Alpenvorland an den Chef des Stabes beim Höchsten SS- und Polizeiführer in Italien, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18.SLA. [20] Brief vom 10.04.1945 des Chefs des Stabes beim Höchsten SS- und Polizeiführer in Italien an KdO GenMjr Albert, Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18. SLA. [21] Von Hartungen u. a.: Die Südtiroler Polizeiregimenter, S. 514. [22] Kopie im Südtiroler Landesarchiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18, fol. 119. SLA.
Liste per 25. Jänner 1945 mit von der Deutschen Polizei an die Stand-schützen gelieferten Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken
Foto: Südtiroler Landes-archiv Bozen, Nachlass Christoph Hartung von Hartungen, Position 18, fol. 119
In Südtirol gab es etwas, das in Nordtirol und Vorarlberg kaum mehr zu erwerben war: Strohbesen. Da dies ein häufiges Mitbringsel von aus den Ausbildungslagern wieder heimgekehrten Standschützen war, sprach man daheim statt vom „Volkssturm“ bald despektierlich als vom „Besensturm“.[23] Ein ehemaliger, von der Wehrmacht gekommener Ausbildner in Gossensass berichtet in einem Artikel, dass die älteren Standschützen oft von sich sagten: „Wir alte Laffen sind die neuen Waffen.“ [24]
Sogar zwei Lieder für den Volkssturm bzw. die Standschützen wurden noch geschrieben. Welche Verbreitung sie tatsächlich gefunden haben, ist nicht bekannt. Beide Lieder stammen aus der Feder des Tiroler Komponisten Josef Eduard Ploner und des Imster Mundartdichters Jakob Kopp. Das erste, dreistrophige Lied „Tiroler Volkssturm 1944“ ist eines der seltenen Nazilieder im Tiroler Dialekt. Das kürzere, das „Tiroler Standschützenlied 1944“ soll hier wiedergegeben werden: „Seit Bolschewik und Plutokrat, den Untergang von uns gearn hat, und seits um unsern deutschn Heard gar an den Grenzen brenzlig weard, iatz, Mander, muaß a jeder dran, der halbwögs öppes leistn kann.“[25]
[23] Kaufmann, Johann: Die Schützengilde Bezau, Bezau o. J., S. 62 und ebenso ZANGERL, Josef: Wörgl – Ein Heimatbuch, Wörgl, 1998, S. 311. [24] Schatz, Walter: Aus der Dorfchronik Tarrenz und eigene Erlebnisse, in: Tiroler Chronist, Nr. 60, September 1995, ÖNB. [25] Aus Drexel, Kurt: Klingendes Bekenntnis zu Führer und Reich – Musik und Identität im Reichsgau Tirol-Vorarlberg 1938–1945, Innsbruck 2014, S. 152 f.