1.7 Verehrung und Verunglimpfung
1.7 Verehrung und Verunglimpfung
Seit dem Aufstand gegen den französischen Usurpator und die bayerischen Besatzer gilt der Volksheld Andreas Hofer zwar als durchaus schillernde Figur, aber nichtsdestoweniger als eine höchst zu verehrende Persönlichkeit. Verständlicherweise vereinnahmt die Politik den Sandwirt aus Passeier nur zu gerne. Dessen Erhöhung, Glorifizierung und Mythisierung setzte bereits zu Lebzeiten ein. Seit seinem Tod musste Hofer – je nach politischem Gebrauchswert – für zahlreiche Rollen herhalten. Zuerst als Märtyrer im Tiroler Freiheitskampf gefeiert, stand später seine Kaisertreue im Vordergrund. Die Großdeutschen erhoben ihn zum gesamtdeutschen Nationalhelden, die Nationalsozialisten sahen in ihm einen „deutschen Kämpfer“, für viele Südtiroler wurde Hofer nach dem Zweiten Weltkrieg zum Symbol für den Kampf um die seit der Teilung des Landes 1918/1919 verweigerte Selbstbestimmung.
Anno 2009 gedachte man in Innsbruck bei einer Landesfeier mit volksfestartiger Beteiligung zehntausender Menschen des Volksaufstands sowie der Bergisel-Kämpfe von 1809. Zum Unmut der in Rom, Bozen, Innsbruck und Wien Regierenden nahmen patriotische Kräfte dies zum Anlass, um demonstrativ den Südtiroler Freiheitskampf der 1950er- bis 1970er-Jahre sowie die zweimal verweigerte Selbstbestimmung miteinzubeziehen. Linke Publizisten und geschichtsvergessene Politiker stellten alldem den bärtigen Passeirer Schützen und einstigen Oberkommandanten Tirols als „Alpen-Taliban“ gegenüber und verunglimpften damit aus ideologischer Verblendung und um der schieren Schmähung willen eine historisch bedeutsame Gestalt, der Väterglaube, angestammte Heimat und Landeseinheit über alles ging.
Selbst Kaiser Karl I. besuchte, genauso wie zuvor sein Großonkel Kaiser Franz Joseph I., die Kapelle beim Sandwirt
Quelle: Bildarchiv Austria, Österreichische Nationalbibliothek