Fahne Standschützen
Fahne Standschützen
Eine wissenschaftliche Untersuchung durch die Universität für angewandte Kunst/Wien ergab eine Stoff-Datierung um 1910. Die drei Gewebestreifen aus Seide sind in „Leinwandbindung“ gewebt und über „Einfach-Kappnähte“ verbunden. Das Fahnenblatt ist mit einer „Stengelfransen-Borte“ und einer „Metall-Webborte“ umrahmt. Der umfassende Konservierungs- und Restaurierungsbericht der Universität für angewandte Kunst/Institut für Konservierung und Restaurierung (Univ.-Prof. Dr. Gabriela Krist) liegt im „Haus der Tiroler Geschichte“ auf.
Schützenfahne aus grün-weiß-grüner Seide, dekoriert mit vier (fünf) Fahnenbändern und Medaillen.
An der Fahnenstange sind vier Fahnenbänder befestigt:
- Fahnenband mit Festabzeichen 1909 (Jahrhundert-Festschießen in Sterzing) und Medaille „Dem Tiroler Landesvertheidiger 1849“
- Fahnenband mit Ehrenmedaille 1897
- Fahnenband mit Herz-Jesu Medaille 1896
- Fahnenband mit Erinnerungsmedaille 1909
Laut dem Standardwerk zu den Standschützen von Wolfgang Joly bekamen nur die Standschützenbataillone Bozen, Kaltern und Passeier sowie die Standschützenkompanie Barbian (Bataillon Kastelruth) in den ersten Monaten Fahnen. Weiters das Bataillon Meran II, dessen Fahne im April 1916 auf dem Satteljoch geweiht wurde. Da die Standschützen die „einrollierten“ (immatrikulierten) Mitglieder der Schießstände waren, verwendeten viele Verbände und Einheiten die Schützenfahnen, zumeist bereits bei der Vereidigung 1914 und dann auch beim Ausmarsch im Mai 1915. Die Fahne des Standschützenbataillons Bozen wurde 1914 von Frau Marie Oberrauch gestiftet und im selben Jahr geweiht.
Der bekannte Wiener Jurist Dr. jur. Rudolf Granichstaedten-Czerva, der selbst im Ersten Weltkrieg als Standschützenoffizier diente, widmete den Südtiroler Bataillonen Enneberg, Passeier und Welsberg sowie den Nordtiroler Bataillonen Innsbruck I und II, Silz und Sillian eine Fahne. Das Aussehen dieser Fahnen ist nach der vorliegenden Literatur zu den Standschützen unbekannt.
Gemäß einer Order des k.u.k. XIV. Korps vom 23. November 1915 trugen diese Fahnen keinen offiziellen Charakter und durften daher nicht an der Front verwendet werden, sondern nur auf den Standquartieren der Bataillons-Kommandos.
Fahne des Standschützenbataillons Bozen
Die im „Haus der Tiroler Geschichte“ ausgestellte Fahne dürfte mit einiger Sicherheit eine dieser „Stiftungsfahnen“ des Dr. Granichstaedten-Cerva sein, worauf die Tatsache hinweist, dass keine sonst übliche Stickarbeit angebracht ist. Dies dürfte der Stifter den mit den Fahnen bedachten Bataillonen überlassen haben. Da die ausgestellte Fahne aus Südtirol stammt, dürften die drei oben angeführten Standschützenbataillone Enneberg, Passeier und Welsberg die Fahne geführt haben.
Während der faschistischen Zeit in Südtirol (1922 bis 1943) wurden etwa 40 Südtiroler Schützenfahnen geheim nach Nordtirol verbracht, um sie dem Zugriff der Faschisten zu entziehen, die derartige Fahnen zerstörten. Im Volkskunstmuseum bzw. Kaiserschützenmuseum Innsbruck wurden etwa 40 Südtiroler Fahnen gelagert und ab 1943 zurück nach Südtirol verbracht. Eine Liste mit der Beschreibung der Fahnen ist im Volkskunstmuseum vorhanden (Zitat: Tiroler Volkskunstmuseum, Archiv, Akt Fahnen aus Südtirol [ohne Signatur]).
Als Standschützenfahnen sind folgende Fahnen genannt:
- Standschützenbataillon Bozen
- Standschützenkompanie Enneberg 1914
- Standschützenbataillon Meran
- Standschützenfahne Riffian
- Standschützen Salurn 1911
- Standschützenbataillon Ulten
- Standschützenbataillon Kaltern 1914 mit den Wappen von Kaltern, Eppan, Tramin und Kurtatsch.
Fahne der Standschützenkompanie Salurn