Die Umgestaltung Bozens unter dem Faschismus
Die Umgestaltung Bozens unter dem Faschismus
Das Regime schnitt jede Verbindung zur Vergangenheit ab – sowohl militärischer als auch kultureller Art. Zunächst wurde das Denkmal für die Gefallenen der Kaiserjäger-Regimenter an den Fronten in Serbien und Galizien zerstört. An seiner Stelle errichtete man das Siegesdenkmal mit den bündelförmigen Säulen. Dann verschwand die Statue von Walther von der Vogelweide, dem bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des Mittelalters, vom gleichnamigen Platz.
Um das neue Bozen jenseits der Talfer aufzubauen, wurden zuerst Alleen, Plätze und Brücken über den Eisack und die Talfer angelegt. In diesem großen Bereich errichtete man das Armeekorpskommando, Institute und Schulen, das Gericht, die „Casa del Fascio“ und vor allem Wohngebäude. Alle diese Objekte folgten dem Stil des Monumentalismus, auch bekannt als „Littorio-Stil“.
Um die Italianisierung der besetzten Gebiete zu beschleunigen und das Verhältnis zwischen der deutsch- und italienischsprachigen Bevölkerung umzukehren, plante das faschistische Regime die Einwanderung italienischer Arbeitskräfte. In den 1930er-Jahren wurden südlich des Eisacks große Industrien errichtet – darunter Falck-Stahlwerke, die Nationale Aluminiumindustrie und Lancia. Diese entwickelten sich zu den bedeutendsten Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung des Gebiets. Infolgedessen strömten Tausende von italienischen Arbeitern nach Bozen. Um sie unterzubringen, entstand die „Città Operaia“, die Arbeiterstadt. Zu diesem Zweck wurden Hunderte von Häusern mit Gärten, die sogenannten „Semirurali“ (halbländlichen) Häuser, erbaut. Um dies zu ermöglichen, mussten zahlreiche Weinberge und Obstbäume, Symbole der lokalen landwirtschaftlichen Tradition, zerstört werden.
Ende der 1930er-Jahre hatte Bozen mehr als 50.000 Einwohner, was bedeutet, dass sich die Einwohnerzahl seit dem Ende des Ersten Weltkrieges mehr als verdoppelt hatte. Die deutschsprachigen Bozner blieben bei etwa 20.000, während die Zahl der italienischen Ansiedler 30.000 überstieg. Mit anderen Worten: Die Deutsch sprechenden Bozner fanden sich in knapp 20 Jahren als Minderheit in ihrer eigenen Stadt wieder.