Das frühe Gedenken und die Rückführung der Gebeine
Das frühe Gedenken und die Rückführung der Gebeine
Die Beisetzung in der Kirche San Michele unter reger Anteilnahme der Bevölkerung bestätigt, dass Hofer nicht als fremder Rebell wahrgenommen wurde. Als im Jahr 1823 eine Gruppe Tiroler Kaiserjäger-Offiziere auf der Durchreise in Mantua beschloss, seine Gebeine zu exhumieren, um sie in die Heimat zurückzuführen, glich die Szene fast einem Theaterstück – eine nächtliche Expedition, der aus dem Schlaf gerissene Pfarrer, der herbeigerufene alte Totengräber, der das Grab weisen musste, der gefrorene Boden und der Schädel, der am Einschussloch erkennbar war.[1] Diese Tat, wenngleich ohne offizielle Genehmigung vollzogen, offenbart einen wesentlichen Aspekt: Mantua war bereits fester Bestandteil der „Gefühlsgeografie“ des Tiroler Mythos geworden. Zugleich zeigt der Widerstand des Pfarrers und der örtlichen Gemeinschaft, dass die Stadt diese sterblichen Überreste bereits als Teil der eigenen Geschichte empfand.
[1] Vgl. Sarzi, R.: Andreas Hofer a Mantova in catene… La simpatia popolare per la vittima del dispotismo napoleonico. Il processo e la condanna dell’eroe del Tirolo, Mantua 2006, S. 92–93.
Perspektivische Ansicht der Festung von Mantua, Detail, 1849
Quelle: Privatsammlung