Vom Nachkriegsgedenken bis zum Anschlag von 1961
Vom Nachkriegsgedenken bis zum Anschlag von 1961
Kurz darauf, im Jahr 1938, nahm die bedeutsame Umgestaltung des Areals um das Denkmal in eine Gartenanlage die Tragödie des Zweiten Weltkriegs unmittelbar vorweg; dennoch sollte es bis zum Jahr 1954 dauern, bis sich wieder eine greifbare Spur eines erneuerten lokalen Bewusstseins für den Ort des Martyriums fand.
Im Januar jenes Jahres schrieb nämlich Dr. Haidl im Namen der Tiroler Landesregierung an den Delegierten des Roten Kreuzes in Mantua, den Notar Enrico Bagnoli. Er drückte darin den Wunsch aus, dass dieser eine Tiroler Jugendvertretung empfangen und begleiten möge, so wie es bereits im Vorjahr geschehen war, als die Zeremonie am Gedenkstein, das Interesse der Bevölkerung und die höfliche Zuvorkommenheit der Begleiter die gesamte Delegation zutiefst bewegt hatten.[1]
Einige Tage später unterstrich ein Artikel aus der Feder des zukünftigen Bürgermeisters Gianni Usvardi, der nicht nur zu den Initiatoren des heutigen Denkmals und der Parkanlage gehörte, sondern auch kurz davorstand, in der österreichischen Pulverkammer von Cittadella ein großes Hofer-Museum zu realisieren, dass die Bevölkerung Mantuas in diesem heroischen Kämpfer den Verteidiger der Freiheitsrechte erkannt habe.[2]
[1] ASMn (Archivio di Stato di Mantova), Prefettura di Mantova, ufficio di Gabinetto, b. 132. [2] Gazzetta di Mantova vom 23. Februar 1954.
Plakat, herausgegeben von der Stadt Mantua anlässlich des Wiederaufbaus des Denkmals nach dem Attentat vom 24. Mai 1961
Quelle: ASCMn, Abteilung 20. Jahrhundert, Kategorie XV.2.2, PG. 1586/1976
Am 24. Mai 1961 um 23:30 Uhr zerstörte eine Sprengladung den Gedenkstein von Marchesotti. Am Tatort wurde ein Bekennerschreiben hinterlassen, gezeichnet von den „Corpi Franchi Italiani“. Die Gazzetta di Mantova sprach von einer „zutiefst getroffenen“ Bürgerschaft, da diese Tat „dem Geist und den historischen Traditionen“ der Stadt völlig fremd sei.[3] Die institutionelle Reaktion erfolgte unmittelbar und geschlossen: Der Stadtrat kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, der Gemeinderat wurde zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, und der Gedenkstein wurde noch am selben Abend wieder errichtet und eingeweiht. Der Ratspräsident sprach dabei Worte, die in Erinnerung bleiben sollten: „Sollte dies geschehen, nicht einmal, sondern zwei-, drei-, hundertmal, so werden wir diesen Gedenkstein ebenso viele Male wieder aufbauen.“[4]
Sämtliche politischen Fraktionen stimmten einstimmig für den Wiederaufbau. Der sozialistische Ratsherr Renato Colombo brachte den Kern der Sache wohl am präzisesten auf den Punkt: Hofer sei zu einem Symbol geworden, zu einem jener Märtyrer, die mit ihrem Blut den Weg der Freiheit geebnet haben, und die Mantuaner hätten dies bereits seit 1810 verstanden.[5] Bürgermeister Luigi Grigato sprach von einer Tat, die „typisch für die Mentalität der Gewalt“ sei und den Mantuanern, den „Erben der Märtyrer von Belfiore“, völlig fernliege. Die Partito Democratico Federalista Europeo, eine politische Formation mit Hauptsitzen in Italien und Deutschland, die nur wenige Jahre zuvor ausgerechnet in Mantua gegründet worden war, deutete den Vorfall als einen Angriff auf das europäische Zusammenleben und schlug vor, Hofer als Symbol für Freiheit und Brüderlichkeit unter den Völkern zu betrachten.[6]
[3] Gazzetta di Mantova vom 25. Mai 1961. [4] ASCMn, Verbale della seduta del Consiglio Comunale, 27. Mai 1961. [5] ASCMn, Verbale della seduta del Consiglio Comunale, 27. Mai 1961. [6] Gazzetta di Mantova vom 26. Mai 1961.