Gebrüder Stolz
Gebrüder Stolz
Mit je drei Porträts sind die Brüder Rudolf Stolz[1] und Albert Stolz[2] im Ausstellungssortiment des „Hauses der Tiroler Geschichte“ in der Bozner Laubengasse vertreten: Die Porträts von Anton Wallner, Martin Rochus Teimer und Christian Blattl stammen aus der Hand von Rudolf, die Porträts von Anton von Gasteiger und Rupert Wintersteller sowie Andreas Hofer (mit Blick auf Wilten) schuf Albert.
[1] Rudolf (Josef Maria) wurde am 8. Mai 1874 als Sohn des Ignaz, Zimmermaler, und der Rosa Gardener in Bozen geboren (Propsteipfarre Bozen, Tomus XXI, 1873–1878, S. 72 f.). [2] Albert (Felix Valois) wurde am 19. November 1875 in Bozen geboren (Propsteipfarre Bozen, Tomus XXI, 1873– 1878, S. 147). Im Zusammenhang mit der Berufsbezeichnung des Vaters steht hier, im Unterschied zur entsprechenden Angabe in der Eintragung zur Geburt des Sohnes Rudolf (Fußnote 33), nicht mehr „Zimmermaler“, sondern „Maler“.
V. l.: Die Stolz-Brüder Rudolf (1874–1960), Albert (1875–1947) und Ignaz (1868–1953). Das Bild entstand um 1910.
Quelle: das Fenster – Tiroler Kulturzeitschrift, Nr. 41
Die Malerbrüder Albert und Rudolf Stolz – es gab da auch noch den ältesten Bruder, Ignaz (Albert Maria), auch er war Maler[3] – wurden nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn im Mai 1915 in den Reihen des Standschützenbataillons Bozen an die Südfront einberufen, und zwar in den Frontabschnitt am Höhenkamm oberhalb von Riva am Gardasee im Raum Judikarien. Dies geschah drei Monate, nachdem Albert am 14. Februar 1914 in Bozen Maria Stocker geheiratet hatte[4], und ein halbes Jahr, bevor Rudolf am 9. November 1914 Theres Mair von Gries heiraten sollte.[5]
Albert hatte auf Geheiß des Vaters von 1898 bis 1904 an der Kunstakademie in Wien studiert, wo u. a. Alois Delug, ein gebürtiger Bozner, sein Lehrer war. Rudolf sollte dagegen die väterliche Werkstatt in Bozen übernehmen, die sich anfänglich in der Bindergasse, später dann in der Rauschertorgasse befand. Da aus diesem Grunde eine jahrelange Ausbildungszeit fernab von Bozen nicht denkbar war, musste er sich mit einer kurzen Lehr- und Wanderzeit begnügen, die ihn nach Deutschland und später auch nach Venedig führte. Die schwungvolle künstlerische Arbeit der beiden Brüder in Bozen und Umgebung umfasste die Gestaltung von Hausfassaden, Gasthausstuben, Schießständen, Kriegerdenkmälern, Grabarkaden und verschiedensten Gesellschaftsräumen, wie sie heute noch vielfach zu bewundern sind – etwa an zwei Stellen in der Bozner Bindergasse oder im „Josefssaal“ im Kolpinghaus. Hinzu kam ein reichhaltiges Sortiment an anmutigen Bildern zum Tiroler Brauchtum mit einem unermesslichen Reichtum an Gestalten und Figuren, was Magdalena Hörmann in einer Abhandlung über die Stolz-Brüder als „Kriegsmaler“ einfühlsam ansprach.[6]
Mit dem militärischen Zusammenbruch am Ende des Ersten Weltkrieges und mit der Annexion Südtirols durch Italien fand diese Arbeit ein abruptes Ende. Als Angehörige des Standschützenbataillons Bozen im Frontabschnitt in Judikarien hatten sich die beiden in den harten Zeiten des Frontaufenthaltes als Kriegsmaler betätigt, indem sie eine „Folge von 30 Bildern, […] die für ein Kriegstagebuch bestimmt waren und damit wohl auch den offiziellen Auftrag der Kriegsberichterstattung erfüllten“[7], anfertigten und damit eine unschätzbare Dokumentation des Frontalltages im Hochgebirge der Nachwelt hinterließen.
Es ist hier nicht der Ort, das umfangreiche künstlerische Schaffen der Stolz-Brüder zu interpretieren und zu würdigen; dies ist weitreichend geschehen und geschieht in vielschichtiger Beziehung nach wie vor. Um sich diesbezüglich einen unbeschwerten Zugang zu verschaffen, sei an die „Dolomiten“[8] und an den „Schlern“[9] verwiesen.
Im Zuge ihrer vielseitigen Befassung mit den Verläufen der heimischen Geschichte setzten sich die Stolz-Brüder Albert und Rudolf noch vor dem Ersten Weltkrieg, zum Teil auch während desselben, mit einzelnen Gestalten des Tiroler Freiheitskampfes 1809 auseinander: Albert Stolz mit Anton von Gasteiger[10], Rupert Wintersteller[11] und nicht zuletzt mit Andreas Hofer selbst[12], Rudolf Stolz dagegen mit Anton Wallner[13], Christian Blattl[14] und Rochus Teimer.[15]
Auch diese Porträts befinden sich nun, als Schenkung bzw. Dauerleihgaben von Inga und Bruno Hosp, im „Haus der Tiroler Geschichte“ in Bozen, Laubengasse 9.
[3] Ignaz (Albert Maria) wurde am 20. April 1868 in Bozen geboren (Propsteipfarre Bozen, Taufbuch 1866–1872, S. 86). Näheres zu Ignaz Stolz in: Der Schlern, 1948, S. 162. [4] Propsteipfarre Bozen, Heiratsbuch 1914–1920, S. 10. [5] Pfarre Gries, Ehe-Buch 1890–1919, S. 144. [6] Hörmann, Magdalena: Die Brüder Stolz als „Kriegsmaler“, in: das Fenster, Nr. 41, S. 4027–4037 (Zeitungsbestände Othmar Parteli, Jenesien). [7] Hörmann, das Fenster, Nr. 41, S. 4028. [8] Hoeniger, Karl Theodor: Albert Stolz. Dem Künstler und Menschen zum Gedenken, in: Dolomiten vom 11. Jänner 1947, Nr. 8, S. 3; Riedl, Franz H.: Abschied von Rudolf Stolz, in: Dolomiten vom 10. August 1960, Nr. 182, S. 5 (Zeitungsbestände Othmar Parteli, Jenesien). [9] Garber, Josef: Die Malerfamilie Stolz, in: Der Schlern 1928, S. 1–31; Hoeniger, Karl Theodor: Albert Stolz zum Gedenken, in: Der Schlern 1947, S. 34–37. [10] Anton von Gasteiger, geboren am 31.3.1780 als Sohn des Landrichters Cajetan von Gasteiger in Klausen, tritt bereits als 16-Jähriger im Jahre 1796 in den Reihen der Schützenkompanie Villanders gegen die einrückenden französischen Truppen in Erscheinung. Im Kriegsjahr 1809 war er sodann als Hauptmann der Schützen von Villanders und von Barbian am Berg Isel im Einsatz und später im Gerichts- und Verwaltungsdienst tätig. Er verstarb am 16. Juli 1860 in Innsbruck. Eine ausführliche Lebensbeschreibung findet sich in den Innsbrucker Nachrichten vom 26. Juni 1909, Nr. 143, S. 17 ff. (Teßmann digital). [11] Rupert Wintersteller, Spross einer begüterten Familie in Kirchdorf, hier am 25. Jänner 1773 geboren und am 30. August 1832 gestorben, war Wirt in Kirchdorf und in den Jahren der Freiheitskämpfe um 1809 Kommandant der Tiroler im nordöstlichen Grenzbereich des Landes. Eine ausführliche Lebensbeschreibung findet sich in den Innsbrucker Nachrichten vom 14. September 1901, Nr. 211, S. 5 f. (Teßmann digital). [12] Ein Gedanke zu diesem Porträt von Albert Stolz von Karl Theodor Hoeniger in der zitierten Schlern-Ausgabe 1947, S. 35: „Auch im historischen Gemälde blieb er ein treuer Sohn seiner Heimat. Er schuf ein Bildnis Andreas Hofers, wie er nach der Schlacht am Berg Isel ernst auf Innsbruck hinunterschaut …“ [13] Anton Wallner, der Aichbergerwirt von Windisch-Matrei, war im Jahre 1768 zu Hinterlehn im Pinzgau geboren und starb am 15. Februar 1810 in Wien. Ein ausführlicher Lebenslauf Wallners aus der Feder von Anton Renk findet sich in den Innsbrucker Nachrichten vom 27. Oktober 1893, Nr. 247, S. 4–7 (Teßmann digital). [14] Christian Blattl, geboren am 13. Jänner 1776 auf dem Bauerngut Vorderwilhelmstätt, zwischen St. Johann i. T. und Fieberbrunn gelegen, das damals aber zu Kirchdorf gehörte, tritt als 20-Jähriger in den Reihen der fünf Schützenkompanien des Raumes Kitzbühel in Erscheinung und bewährt sich in der Folge in den Berg-Isel-Schlachten von 1809 als Hauptmann der Schützenkompanien Pillersee. Er verstarb am 3. Juli 1856 in Fieberbrunn. Näheres zu seinem Leben findet sich in den Neuen Tiroler Stimmen vom 20. November 1905, Nr. 266, S. 2 (Teßmann digital) und in der Tiroler Post vom 24. November 1905, Nr. 47, S. 9 (Teßmann digital), jeweils unter der Überschrift „Christian Blattl, Scharfschützenhauptmann von Pillersee“. [15] Martin Rochus Teimer, geboren am 14. August 1778 in Schlanders und gestorben am 27. September 1838 in Herbersdorf in der Steiermark, hatte an der Universität Innsbruck studiert. Als einer der engsten Vertrauten von Andreas Hofer hat er sich in den turbulenten Monaten des Jahres 1809 mehrfach bewährt, vornehmlich nach der ersten Berg-Isel-Schlacht durch Verhandlungen, die er in Wilten mit den Franzosen und mit den Bayern geführt hat, was den Tirolern Tausende von französischen Kriegsgefangenen einbrachte. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er später vom Kaiser durch die höchste militärische Auszeichnung, den Maria-Theresien-Orden, und durch die Verleihung des Freiherrntitels mit dem Prädikat „von Wildau“ geehrt. Nähere Angaben zu seiner Person finden sich u. a. in den Neuen Tiroler Stimmen vom 19. Juli 1909, Nr. 161, S. 2/3 („Jahrhundertfeier und Denksteinenthüllung in Schlanders“, Teßmann digital), und im Tiroler Anzeiger vom 17. Februar 1937, Nr. 39, S. 5 („Die Familie Teimer von Wiltau“, Österreichische Nationalbibliothek, Historische Zeitungen und Zeitschriften).