Johann Baptist Pendl
Johann Baptist Pendl
Auf Johann Baptist Pendl, geboren am 22. Juni 1791 in Ried im Zillertal als Sohn des Silvester Pendl und seiner Frau Helena, kam Südtirols unvergessener erster Landeskonservator Josef Garber einmal in einer Feierstunde zu sprechen. In dieser ging es darum, „den Grabstein der Meraner Künstlerfamilie Pendl“ hinter der Meraner Stadtpfarrkirche neu zu positionieren, um ihn so davor zu retten, „veräußert und für andere Grabstätten umgearbeitet zu werden“. Es war dies eine Initiative des Heimatschutzvereines Meran, ohne die „ein Erinnerungszeichen an einen hervorragenden Meraner Bürger, an einen unvergeßlichen Tiroler Künstler, ja an eine ganze Künstlergeneration der Vernichtung anheim gefallen“[1] wäre.
Im Zillertal wirkte gegen Ende des 18. Jahrhunderts „ein berühmtes Künstlergeschlecht, die Bildhauer Nißl, und so kam der talentierte, künstlerisch veranlagte Knabe zu seinem engeren Landsmann Franz Nißl nach Fügen in die Lehre“.[2] Franz Nißl, der wohl „bedeutendste Bildhauer Tirols am Ende der Rokokozeit“[3], hatte auf seinen Lehrling Johann Pendl zweifellos einen „nachhaltenden Einfluß“[4] ausgeübt, obwohl er nur kurze Zeit in seiner Werkstatt war, „denn 1809 kämpfte der 17jährige bereits bei Kufstein und am Bergisel“[5], und nachher befand er sich in Wien. Dort wirkte zu dieser Zeit der vom Kaunerberg stammende Josef Zauner als Akademiedirektor und schuf während dieser Tätigkeit um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert das Reiterdenkmal Kaiser Josephs II. vor der Österreichischen Nationalbibliothek am Josefsplatz. Bei Zauner ging Pendl nun in die Schule. Unter dem Einfluss Zauners, der nicht weiter „der Rokokorichtung huldigte“, sondern sich zum „entschiedenste[n] Vertreter der klassizistischen Richtung der Bildhauerei“ entwickelte, vollzog der gelehrige Schüler aus dem Zillertal eine grundlegende Wandlung „zur klassizistischen Kunst“ und verschrieb sich im zunehmenden Maße deren „Ruhe, … Einfachheit und Stille“.[6]
Ausgestattet „mit diesen künstlerischen Richtlinien […] kam Johann Pendl 1815 in einer not- und teuerungsreichen Zeit nach Meran“[7], und ließ sich hier nieder, wobei der amtierende Dekan Johannes Nepomuk von Tschiderer, später Brixner Weihbischof in Feldkirch und anschließend Fürstbischof von Trient, „der größte Mezän“ Pendls wurde[8].
Johann Pendl ehelichte bereits am 30. Jänner 1816 Maria Tausch, Tochter des Franz Tausch, Weißgerber in Meran, und seiner Frau Anna (geb. Knoll)[9]; aus der Ehe gingen 15 Kinder hervor. In späteren Jahren erwarb Johann Pendl ein Haus in der Steinachgasse, wo er sich eine Werkstatt einrichtete, in der er in der Folge „viele Schüler ausbildete und beschäftigte“.[10]
Johann B. Pendl verlegte sich in seiner Arbeit in der Hauptsache auf die Darstellung des Gekreuzigten – die Pendl-Kruzifixe wurden bald berühmt. Noch heute finden sich viele im Besitz von Meraner Familien, sie sind allenthalben aber auch sonst im Lande zu finden. Ein besonders eindrucksvolles Pendl-Kruzifix ist das „Missionskreuz an der Südseite der Pfarrkirche“[11], wie dies Josef Garber an einschlägiger Stelle feststellt.[12]
Gleichzeitig arbeitete in Meran auch der aus Hannover zugezogene Friedrich Wasmann, ein „hervorragender Künstler“[13], nach Ansicht Josef Garbers ein „Vorläufer des modernen Impressionismus“[14], der mit Pendl gut bekannt, vielleicht sogar befreundet war, sodass sich die beiden gegenseitig „in dem stillen abgeschiedenen Meran künstlerisch angeregt“ haben dürften.[15]
[1] Die Schilderung im Zusammenhang mit der Sicherstellung des Pendl-Grabsteines folgt einer umfassenden Berichterstattung im Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1–3 („Eine Pendl-Feier“, Südtiroler Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann, Teßmann digital). Dieser Berichterstattung sind auch mehrere Zitate im Verbund mit der „schlichten Gedenkfeier, die“ am 9. Oktober 1921 stattgefunden hat, entnommen. [2] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [3] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [4] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [5] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [6] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [7] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [8] Vgl. dazu Tait, Anton: Leben des Ehrwürdigen Diener Gottes Johann Nepomuk v. Tschiderer, Fürstbischofs von Trient, Trient 1908, S. 161 f. [9] Stadtpfarre Meran, Ehebuch 1784–1873, S. 60. [10] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [11] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 2 (Teßmann digital). [12] Im Buch „Stadtpfarrkirche St. Nikolaus Meran – Ein Gotteshaus im Wandel der Zeit“, hrsg. von der Pfarrgemeinde St. Nikolaus Meran im Jahre 2003, wird dieses Kreuz jedoch Emanuel Pendl zugeschrieben (S. 316). Vgl. in diesem Zusammenhang auch: Tait, Leben v. Tschiderer, S. 162. [13] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 2 (Teßmann digital). [14] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 2 (Teßmann digital). [15] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 2 (Teßmann digital). Wasmann hat auch Johann B. Pendl und seine Frau Maria porträtiert.
Johann Baptist Pendl (1791–1859), Porträt von Friedrich Wasmann, um 1856
Quelle: Friedrich Wasmann, Katalog „Ein Morgentraum“, Schloss Tirol 2006
Von den 15 Kindern des Ehepaares Pendl – Vater Johann Bapt. ist am 14. März 1859 gestorben[16] – war der Erstgeborene, Franz Johann Pendl, geboren am 5. Mai 1817[17], in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters getreten und wandte sich ebenso der Bildhauerei zu. Diese studierte er zunächst in der väterlichen Werkstatt, dann aber bei dem aus Ambras gebürtigen Tiroler Joseph Klieber in Wien, Direktor der Graveur- und Erzverschneiderschule an der Akademie der bildenden Künste. In dessen Einflussbereich vollzog Franz J. Pendl „eine Wandlung der künstlerischen Anschauungen und Formen von der klassizistischen zur romantisch-neugotischen Richtung“.[18] Später kehrte er wieder nach Meran zurück und hinterließ hier, vornehmlich auch in der städtischen St.-Nikolaus-Pfarrkirche, beachtenswerte künstlerische Spuren. Er verehelichte sich am 16. April 1844 mit Maria Goldbacher aus Lana.[19] Aus dieser Ehe entstammte als erstes Kind Emanuel (Joseph Franz Xaver), geboren in Meran am 23. Februar 1845[20] , der als Bildhauer in Wien eine große Karriere machen sollte. Im Justizpalast positionierte er am oberen Ende der Feststiege die thronende Justitia mit dem aufgeschlagenen Gesetzesbuch und dem Goldenen Schwert in der Hand; am Eingang zum Palaste selbst setzte er zu beiden Seiten der Freitreppe zwei mächtige Löwen. Darüber hinaus schuf er aber auch mehrere allegorische Figuren für die neue Hofburg und für die Fassade des Parlamentes sowie das legendäre Kolschitzky-Denkmal an der Ecke Favoritenstraße/Kolschitzkygasse. Für seine Heimatstadt Meran fertigte er im Jahre 1914 das beherrschende Andreas-Hofer-Denkmal gegenüber dem städtischen Bahnhof.
Um den künstlerischen Stellenwert der Pendls für Meran und weit über die Stadt hinaus zu verdeutlichen, sei noch einmal Josef Garber zitiert. Dieser verwies bei angemessener Gelegenheit auf Johann Bapt. Pendl – von dem das „Haus der Tiroler Geschichte“ vermittels einer Schenkung von Inga und Bruno Hosp[21] nun über ein Gipsrelief von Andreas Hofer in stilisierter Tiroler Landschaft verfügt – sowie „auf seine Nachkommen, die wie er mit Meisterschaft Meisel und Schnitzmesser geführt“[22] haben, und ordnete sie als künstlerisch außergewöhnlich ein, indem er sagte: „Seit der Zeit des ruhmvollen Meraner Bildhauers Hans Schnatterbeck, der am Ende der gotischen Stilperiode in Meran eine Bildhauerwerkstätte innehatte und der 1508 für die Pfarrkirche in Lana den größten erhaltenen gotischen Flügelaltar verfertigte, seit diesen vier Jahrhunderten tritt in dem Kunstschaffen der Stadt Meran kein Bildhauer so deutlich und charakteristisch zu Tage wie Johann Baptist Pendl“.[23]
Dass die Erinnerung an „die Pendls“ in Meran von heute zwar nicht überdurchschnittlich lebendig, dennoch aber sehr wohl gegeben ist, hat mit der genannten Initiative des Heimatschutzvereins Meran zu tun, den Pendl-Familiengrabstein vor dem Verfall gerettet und durch eine Neupositionierung bergseitig an der Meraner Stadtpfarrkirche der Öffentlichkeit übertragen zu haben. Die erfolgte im Rahmen „einer schlichten Gedenkfeier“[24] am 9. Oktober 1921.
[16] Vgl. zu Johann Bapt. Pendl auch Kob, Oswald: Das Schicksal eines Meisterwerkes, in: Der Schlern, 1947, S. 309 f. [17] Stadtpfarre Meran, Taufbuch von 1798–1837, S. 200. [18] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 2 (Teßmann digital). Ein um elf Jahre jüngerer Bruder, Johann Anton (geboren am 24. Juni 1828 laut Stadtpfarre Meran, Taufbuch von 1798–1837, S. 255), ist in späteren Jahren nach Nordamerika ausgewandert, „woselbst er in Philadelphia ein eigenes Bildhaueratelier eröffnete und vielen Zuspruch fand“ (zitiert nach: Kob, Der Schlern, S. 300 f.) [19] Stadtpfarre Meran, Ehebuch 1784–1873, S. 106. [20] Stadtpfarre Meran, Taufbuch 1838–1870, S. 35. [21] Inga Schmidt Hosp: Publizistin und Kulturwissenschaftlerin, verheiratet mit Bruno Hosp, viele Jahre Bürgermeister vom Ritten und von 1989 bis 2003 Mitglied der Südtiroler Landesregierung mit den Zuständigkeitsbereichen Deutsche Schule und Kultur, Museumswesen und Denkmalpflege. [22] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [23] Meraner Tagblatt vom 11. Oktober 1921, Nr. 230, S. 1 (Teßmann digital). [24] Der Burggräfler vom 10. Oktober 1921, Nr. 229, S. 3 („Eine Pendl-Feier im Friedhof hinter der Stadtpfarrkirche“, Teßmann digital). Zu diesem Grabstein und zu seiner verbalen Beschaffenheit aus der Feder des Marienberger Benediktiner-Gelehrten P. Pius Zingerle siehe: Der Schlern, 1932, S. 429 ff., in der Hauptsache die S. 430 f.