Vorgeschichte – das „Landlibell“ von 1511
Vorgeschichte – das „Landlibell“ von 1511
Die Vorgeschichte der Standschützen und damit des Schützenwesens in Tirol reicht weit zurück: Die allerersten Hinweise auf eine Organisation der Schützen, die an einem Schießstand ihrem Interesse nachgingen, lassen sich auf das Jahr 1423 datieren. Fast 100 Jahre später – am 23. Juni 1511 – legte Kaiser Maximillian I. mit dem Landlibell sozusagen den Grundstein für die Tiroler Landesverteidigung und führte eine allgemeine Wehrpflicht. Wenn dem Land Tirol Gefahr von außen drohte, konnten das „Landesaufgebot“ bzw. die „Landmiliz“ mobilisiert werden. Diese „Aufgebote“ und „Zuzüge“ umfassten 5.000, 10.000, 15.000 oder maximal 20.000 Mann, gegliedert nach Gerichtsbezirken. Die Wehrpflicht dauerte zumeist vier Jahre und betraf die Grundbesitzer und Wirtschaftstreibenden, somit die Bauern und Bürger. Sie bedeutete für die Betroffenen kurze Waffenübungen und gelegentliche Musterungen. Im Falle der „allerhöchsten Not“ konnte – in den davon betroffenen Gebieten – auch der „Landsturm“ einberufen werden, was alle wehrfähigen Männer betraf.[1]
[1] Vgl. Standschützen, Archivglossar des Tiroler Landesarchivs, https://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/landesarchiv/archivglossar/archivglossar-s/ [Stand: 4. August 2025]. Zum Landlibell vgl. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck: Tiroler Standschützen. Hundert Jahre Landesverteidigung in Tirol, Ausstellung im Gedenken an den Auszug der Tiroler Standschützen zu Pfingsten 1915 (Juni bis September 1965), Katalog, S. 17 f.
Das Landlibell von 1511 – der Ursprung der Tiroler Landesverteidigung
Foto: Archiv Effekt
1526 erließ der Tiroler Landtag in Ergänzung zum Landlibell die „Zuzugsordnung“, in der die Mannschaften für den „Aufzug“ und die Grenzsicherung unter dem Obrist-Feldhauptmann Jörg von Freundsberg festgelegt und 1556 erneuert wurden. [2]
In der folgenden – für Tirol friedlichen – Zeit wurde zwar die Landesverteidigung vernachlässigt, dafür erfreute sich das Scheibenschießen immer größerer Beliebtheit. Zahlreiche Schützenfeste wurden im ganzen Land veranstaltet, bei denen die besten Schützen mit wertvollen „Bestgaben“ belohnt wurden. Um das Jahr 1600 bestanden bereits Schießstände und Scheibenschützengesellschaften in Innsbruck, Hall, Schwaz, Lienz, Kufstein, Rattenberg, Kitzbühel, Sterzing, Imst, Reutte, Kaltern und in Schlanders. Diese Gesellschaften bildeten den Hintergrund der späteren Scharfschützen und Standschützen. Während unter Kaiser Rudolf II. mangels Gefahren auch das Interesse an der Landesverteidigung fehlte, sah sein Nachfolger als Landesfürst, Erzherzog Maximilian III., einige Gefahren auf das Land zukommen, wodurch 1605 eine neue Zuzugsordnung entstand, diesmal mit einem ersten Aufgebot von 10.000 Mann. Bei diesem Aufgebot bestand die Bewaffnung bereits zu 80% aus Musketen und Hakenbüchsen, was sich bei der Abwehr der Schweden im Jahr 1632 bestens bewährte.[3]
Im Jahr 1647 wurden die Scheibenschützen erstmals als Teil eines Aufgebots erwähnt, 1650 waren sie bereits neben der Miliz eine eigenständige Truppe zur Landesverteidigung, hatten ab 1659 einen „Obrist-Schützenmeister“ für Tirol – eine Funktion, die ab 1723 immer der Landeshauptmann bekleidete –, und ab 1677 bestanden die Schießrollen, in denen die Mitglieder der Schießstände „einrolliert“ waren.[4]
[2] Vgl. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck: Tiroler Standschützen, S. 24 ff. [3] Vgl. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck: Tiroler Standschützen, S. 27 ff. [4] Vgl. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck: Tiroler Standschützen, S. 30.