Zwangsrekrutierung statt Zuzug
Zwangsrekrutierung statt Zuzug
Kaiserin Maria Theresia hatte wenig Zugang zur Tiroler Landesverteidigung. Nach der Einführung der „Konskription“ – der Zwangsrekrutierung von Soldaten – wurde die Landmiliz als unnötig betrachtet und demzufolge ab etwa 1750 stark vernachlässigt, auch wenn die Konskription in Tirol aufgrund des starken Widerstandes der Landstände letztlich nicht eingeführt wurde. Lediglich die Scharfschützen der Schießstände blieben in der Stärke von vier Regimentern bestehen und bewährten sich auch im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79. Maria Theresias Sohn, Josef II. – der völlig den Ideen der „Aufklärung“ anhing –, hielt noch weniger von der Tiroler und Vorarlberger Landesverteidigung und schaffte daher das Landlibell von 1511 ab. Josef vermeinte, durch die Einführung der Konskription in Tirol das Auslangen zu finden, schaffte „die ganz untätige und unnütze Landmiliz“ ab und betrachtete die Schützen der Schießstände als nicht mehr für die Landesverteidigung notwendig. Stattdessen musste Tirol zusammen mit Vorarlberg das „Tiroler Landregiment“ (auch als Infanterieregiment Nr. 46 bezeichnet) stellen, was auf zähen Widerstand der zwangsrekrutierten Männer zwischen 17 und 40 Jahren stieß, die unverheiratet waren. Dies führte dazu, dass zahlreiche stellungspflichtige Männer das Land verließen und das Tiroler Landregiment große Probleme bei der Rekrutierung hatte. Letztlich musste Kaiser Josef II. im Jahr 1790 – kurz vor seinem Tod – neben anderen seiner im Volk verhassten „Zwangsreformen“ auch die Zwangsrekrutierung in Tirol aufheben. Das Tiroler Landregiment hatte allerdings auch weiterhin größte Personalprobleme, während im selben Jahr problemlos ein „Tiroler Scharfschützenkorps“ in der Stärke von zehn Kompanien für einen Krieg mit Frankreich aufgestellt werden konnte, das unter dem vom Fennberg stammenden Hauptmann Philipp Fenner erfolgreich in den Niederlanden und später am Rhein kämpfte. Letztlich bemerkten auch die Wiener Militärdienststellen die Eignung der Tiroler und Vorarlberger als Jägertruppe, allerdings wenig zur klassischen Infanterie, was vor allem dem Einfluss von Erzherzog Karl zu danken war. Somit wurde 1801 das „Tyroler Jägerregiment“ unter Oberstleutnant Fenner aufgestellt, aus dem letztlich nach einigen Umgliederungen und auch einer zwischenzeitlichen Auflösung im Jahr 1816 das „Tiroler Kaiserjägerregiment“ wurde, dessen Regimentsinhaber der Kaiser selbst und der nunmehrige Feldmarschallleutnant Philipp Fenner von Fenneberg als Zweitinhaber waren. Die Tiroler Kaiserjäger wurden zur ersten aktiven Truppe, die auch in Tirol selbst populär war.[1]
[1] Vgl. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck: Tiroler Standschützen, S. 34 f.