Der beginnende Aufmarsch zur Verteidigung im Südwesten

Feldmarschallleutnant Ludwig Goiginger (1863–1931)
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General der Kavallerie Erzherzog Eugen Ferdinand Pius Bernhard Felix Maria (von Österreich; 1863–1954)
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Am 18. Mai wandte sich Erzherzog Eugen mit einem persönlichen Schreiben an den Chef der Operationsabteilung. Er erklärte darin, dass allfällig weitere Verstärkungen der Isonzofront vom Plan abhängen, den man gegen Italien einhalten möchte. Er stellte dazu fest, dass es grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Kriegsführung geben würde:

  1. Man beabsichtigt, den italienischen Einbruch schon am Isonzo aufzuhalten.
  2. Man will die italienische Armee erst dann mit versammelter Kraft anfallen, wenn sie, durch Widerstand der Deckungstruppen immerhin geschwächt, tief in eigenes Gebiet eingedrungen ist.

Im ersten Fall wäre die ganze 5. Armee – sieben Divisionen – heranzuziehen und an den Isonzo zu verschieben. Im zweiten Fall würden die gegen Italien bestimmten Kräfte einschließlich der 5. Armee weiter im Inneren der Monarchie, etwa in der Linie der Save und bei Agram oder noch weiter rückwärts, aufmarschieren. Die Deckungstruppen hätten in diesem Fall, ohne sich einer vollen Niederlage auszusetzen, den Vormarsch des Feindes möglichst verlustreich zu gestalten und das sehr günstige Gelände schrittweise zu verteidigen. Dieser Rückzug müsste von Anfang an planmäßig sein. Welche der beiden Fälle einzutreten habe, könne nur das AOK bestimmen.[11]

[11] AOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr. 10.410, Kommando der k. u. k. Balkanstreitkräfte Op. Nr. 12.663, 18. Mai 1915, ÖStA/KA.

Am folgenden Tag ermächtigte Kaiser Franz Joseph I. das Flottenkommando, gegen italienische Truppentransporte nach Antivari oder Landungsunternehmungen an der montenegrinischen Küste auch vor eventueller Kriegserklärung Italiens aktiv vorzugehen.[14] Das 5. Armeekommando (AK) meldete, es beabsichtige, die ganze eigene schwere Artillerie mitzunehmen. Gleichzeitig wurde wegen der reichlichen modernen italienischen Artillerie um eine schwere Haubitzenbatterie je Korps gebeten. Der Aufmarsch der 5. Armee war wie folgt geplant:

5. AK und Armee-Etappenkommando (AEK) Agram, XV. Korps Raum Gurkfeld-Rudolfswert-Samobor, XVI. Korps Möttling-Tschernembl-Karlovac, 58. ITD Ogulin.[15] Der Antransport sollte auf den beiden aus dem Save-Drauwinkel westwärts führenden Bahnen über Esseg–Fünfkirchen–Barcs–Pragerhof und Novska–Agram–Steinbrück auf die Südbahnhauptstrecke nach Laibach und dann hinter dem Isonzo zwischen 21. und 25. Mai erfolgen.[16] Die Verlegung der fünf Divisionen war mit der größtmöglichen täglichen Zuganzahl durchzuführen.

Dafür sollten in Absprache mit der Zentraltransportleitung am 1. Tag 20, am 2. Tag 36, am 3. Tag 28 und am 4. Tag 36 Züge rollen.[17]

Die 50. ITD sollte auf der nördlichen, die 58. ITD auf der südlichen Linie rollen. Befehlsgemäß war somit die 50. ITD über Pragerhof nach Tolmein und die 58. ITD über Steinbrück gegen St. Peter weiterzuführen. Um Mitternacht vom 22. auf den 23. Mai hatte ebenfalls der Transport der 1. und der 18. ITD zu beginnen. Die Weisungen dafür waren beim Kommando der Balkanstreitkräfte einzuholen.[18]

[14] AOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr. 10.494, 20. Mai 1915, ÖStA/KA.
[15] AOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr.10.500, Telegramme 20. Mai 1915, 17:10 bzw. 23:00 Uhr, ÖStA/KA.
[16] AOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr. 10.803, [handschriftliche Beilagen nur teilweise vorhanden], ÖStA/KA
[17] AOK Qu.-Abteilung Feldtransportwesen Ktn. 2785, Eb. Nr. 2560, 23. Mai 1915, ÖStA/KA.
[18] AOK Qu.-Abteilung Feldtransportwesen Ktn. 2785, Eb. Nr. 2575, 21. Mai 1915, ÖStA/KA.

General der Kavallerie Viktor Julius Ignaz Ferdinand Dankl (1854–1941)
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Am 23. Mai traf mittags die alarmierende Meldung des Militärkommandos Innsbruck ein, das Alpenkorps würde erst am 27. Mai marschbereit sein und damit mit seinem Gros erst am 29. in Südtirol und am 30. im Grenzraum eintreffen. Da darüber hinaus vier Marsch- und zwölf Alarmbataillone weggenommen worden waren, meldete es, sei man „nicht in der Lage, einem starken Ansturm des Gegners lange standzuhalten“. Das Militärkommando ersuchte deshalb um Beschleunigung der Marschbereitschaft und des Antransportes des Alpenkorps über Kufstein und den Brenner, damit die ersten Staffeln spätestens am 24. in Südtirol eintreffen könnten.[32] Inzwischen übernahm Feldmarschallleutnant Können-Horak den Subrayon 3 Südtirol, Feldmarschallleutnant Guseck übernahm stattdessen wieder das Festungskommando und Generalmajor Franz Steinhart kehrte als Festungsdirektor Trient zurück.[33] Am späten Abend traf die Mitteilung ein, dass das Leibregiment und zwei Batterien des Alpenkorps in München marschbereit wären. Daraufhin wurde die Feldtransportleitung (FTL) 7 angewiesen, den Abtransport nach Tirol sofort einzuleiten.[34] Das deutsche Alpenkorps, das dreizehn Bataillone, elf Gebirgs-Maschinengewehr-Abteilungen und neun Batterien umfasste, sollte ab 25. Mai in Tirol eintreffen.

[32] AOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr. 10.596, 23. Mai 1915, ÖStA/KA.
[33] AOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr. 10.625, 23. Mai 1915, ÖStA/KA.
[34] ÖAOK Op.-Abteilung I-Gruppe Ktn. 526, Op. Nr. 10.655, 23. Mai 1915, 23:00 Uhr, ÖStA/KA.
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