Schlussbetrachtung
Schlussbetrachtung
Mit Beginn der Vorbereitung des Durchbruchs von Gorlice-Tarnow 1915 lag das gemeinsame operative Schwergewicht der Mittelmächte in Galizien. Als der Kriegseintritt Italiens bedrohlich näher rückte, wurde in Pless und in Teschen verschiedentlich erwogen, den im Nordosten laufenden Feldzug an der San-Dniester-Linie abzubrechen und sich stattdessen zunächst gegen Serbien und dann gegen Italien zu wenden. Schließlich einigte man sich zu später Stunde am 21. Mai angesichts der bisherigen Erfolge gegen die russischen Truppen darauf, das Schwergewicht zu belassen, die russische Offensivkraft in Galizien endgültig niederzuwerfen und gegen Italien mit Kampftruppen vom Balkan den Isonzo zu verteidigen. Der italienische Generalstabschef Generalleutnant Luigi Cadorna, dem es nicht nur an Offensivschwung mangelte, hatte zwar bei Kriegsbeginn rechtzeitig alle Panzerwerke armiert und der bereitstehenden Angriffstruppe befohlen, Angriffsoperationen etwas kühner auf Überraschung anzulegen, gleichzeitig allerdings nicht darauf vergessen, vor Teilniederlagen und übereilten, gewagten Unternehmungen zu warnen. Nun, wer alles sichern möchte, sichert nichts!
Da die erste Isonzoschlacht erst vier Wochen nach erfolgter Kriegserklärung beginnen sollte, war es der österreichisch-ungarischen Führung tatsächlich möglich, die fünf k. u. k. Divisionen rechtzeitig und völlig ungestört aus Syrmien an die Isonzofront zu transportieren. Das weit offene Tor nach Wien konnte damit wieder rechtzeitig geschlossen werden.