Beginn des militärischen Alpinismus

Kletterausbildung in steiler Felswand. Verwendet wurden Hanfseile mit Mindestdurchmesser bis 14 Millimeter. Die Sturzlast dieser frühen Hanfseile war immerhin so groß, dass der Absturz eines Mannes bei voller Seillänge gehalten werden konnte. Der große Nachteil lag im Gewicht der Seile bei Regen und Schnee, denn sie durchfeuchteten rasch und waren bei Minusgraden im gefrorenen Zustand nicht mehr zu gebrauchen.

Kriegshandlungen im Gebirge waren bis zum Ersten Weltkrieg eher Ausnahmeerscheinungen. Zwar hatte es, von Hannibal bis Napoleon, immer wieder Alpenüberquerungen von Truppen gegeben, doch waren diese eher bemerkenswerte Marschleistungen als eigentliche Kampfhandlungen. Erste Ansätze für eine planmäßige Berücksichtigung der Kriegsführung in Gebirgsregionen durch reguläres Militär brachte in Österreich-Ungarn der Feldzug in Bosnien und Herzegowina 1878 mit sich.

Die Anfänge des militärischen Alpinismus waren auf Initiativen aus dem zivilen Bereich begründet. Selbst der Altmeister der Lehre vom Krieg, General von Clausewitz, schrieb in der Mitte des 19. Jahrhunderts: „Die Rücken der höheren Alpen sind von solcher Unwegsamkeit und Unwirtlichkeit, dass es unmöglich ist, sie mit starken Truppenmassen zu besetzen. Will man nun durchaus Streitkräfte im Gebirge haben, um Herr derselben zu sein, so bleibt nichts anderes übrig, als die in den Tälern aufzustellen.“[1]

Die militärische Alpinausbildung in der Vorkriegszeit und in seiner Folge die Verwendung von Truppen in hochalpinen Gebieten nahm eine sehr zögernde Entwicklung. Aus den Fortschritten des zivilen Bergsteigens zog man nur wenig Lehren. Die Entwicklung des militärischen Alpinismus blieb immer eine geraume Zeitspanne hinter dem Entwicklungsstand der Pionierarbeit des zivilen Alpinismus. Man konnte sich nicht vom Grundsatz lösen, dass nur die Ebene und die Täler dafür geeignet waren, um auf bzw. in ihnen zu kämpfen, bestenfalls die bequemen Übergänge und Pässe bezog man in die notwendige Verteidigungslinie ein. Dies ist aus heutiger Sicht äußerst verwunderlich, wenn man bedenkt, dass damals schon alle Berggipfel bezwungen waren und Italien über 36 Alpini-Kompanien und Frankreich über 12 Bataillone Chasseurs verfügten. Doch vor allem durch die Entwicklung des Skilaufs bedingt, setzte sich in den Reihen der österreichisch-ungarischen Armee die Meinung durch, dass es im Hochgebirge auch zu Kampfhandlungen kommen könnte. Einer der Ersten, der die kommende Entwicklung erkannte, war Feldmarschall Conrad v. Hötzendorf, was zur Aufstellung einer österreichischen Gebirgstruppe führte.[2]

[1] Pflügl, Kurt: 100 Jahre Militärbergführer, 50 Jahre Heeresbergführer, Festschrift 2019, S. 13.
[2] Die Gebirgstruppe, München 6/1980, S. 5–6.

Oberst Bilgeri, die treibende Kraft beim Neuaufbau der Gebirgstruppen

Cookie Consent mit Real Cookie Banner