Einführung des Skilaufs in der Armee
Einführung des Skilaufs in der Armee
Dass der Skilauf nicht eine Neuentwicklung des späten 19. Jahrhunderts war, beweisen nicht nur Funde von Skiern, die mehrere 1.000 Jahre alt sind, sondern verdeutlicht auch ein Blick in die Welt der germanischen Mythen. Mit Ullr und Skadi gibt es zwei nordgermanische Gottheiten, die eng mit dem Skilauf verbunden sind.[1]
Der eigentliche Durchbruch für die Verbreitung der Skier gelang jedoch dem späteren Friedensnobelpreisträger und weltberühmten Polarforscher Fridtjof Nansen. In seinem im Jahre 1891 erschienenen Buch über seine Grönlandexpedition widmete er ein umfangreiches Kapitel dem „Schneeschuh-Laufen“, dieses wurde somit das erste Lehrbuch für den Skisport.
Beim Militär legte man mehr Wert auf den Kampf im Gebirge. Das winterliche alpine Gelände wurde dabei aber vorerst noch ausgeklammert. Jäger, Forscher und Alpinisten bewiesen jedoch, dass das Fortbewegungsmittel Ski auch in alpinen Regionen erfolgreich eingesetzt werden konnte, worauf das Interesse für eine militärische Verwendung stieg. So war es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis das k.u.k. Kriegsministerium den Skilauf als Mittel zur Steigerung der Beweglichkeit von Gebirgstruppen erkannte und bei den Truppen der österreichisch-ungarischen Armee Skier einführte. 1892 wurde durch Oberleutnant Raimund Udy das erste auf den militärischen Skilauf abgestimmte Lehrbuch herausgegeben. Nach der unter Zusammenlegung bestehender Feldjägerbataillone erfolgten Umstrukturierung der im Jahr 1816 gegründeten Kaiserjägerregimenter markiert das Jahr 1895 den Beginn der alpinskiläuferischen Tradition dieser Truppenteile.[2]
[1] Brugger, Andreas: Vom Pioniergeist zum Massensport, 100 Jahre Skisport im Montafon. Heimatschutzverein Montafon, 2006, S. 20. [2] Gruber, Richard: Die Entwicklung des militärischen Schilaufs, Truppendienst 6/1998, S. 523.
Sowohl in der k.u.k. Armee als auch in der k.k. Landwehr wurde die Winterausbildung schon vor dem Ersten Weltkrieg intensiviert. Marschieren in verschneiten Terrains stand dabei ebenso auf dem Programm wie der Skilauf – hier noch mit Lilienfelder Einstocktechnik. Foto: Archiv Brugger Tschagguns
Einer der aktivsten und erfolgreichsten Pioniere der alpinen Skilauftechnik dieser Zeit war zweifellos Mathias Zdarsky. Er leistete durch die Entwicklung der „Lilienfelder Skilauftechnik“ den wohl bedeutendsten Beitrag zu diesem Abschnitt der Geschichte des Skilaufs. Das Kriegsministerium erkannte rasch den Wert der von Zdarsky entwickelten Fahrweise und Geräte, sodass bereits 1897/98 bei einzelnen Truppenkörpern mit der Ausbildung des Skilaufs nach seiner Methode begonnen wurde. 1897 erschien ein Entwurf der „Anleitung für den Gebrauch von Schneeschuhen und Schneereifen“. Diese Anleitung war der Vorläufer aller später nachfolgenden Alpinvorschriften des k.u.k. Heeres.[3]
Das Kriegsministerium entschied sich dazu, die Skiausrüstung für das Heer selbst zu produzieren. 1905 wurde dafür in Salzburg eine k.u.k. Skiwerkstätte gegründet.
Diese zum Militärkommandobereich Tirol gehörende Einrichtung sparte dem Militär nicht nur erhebliche finanzielle Mittel, sondern ermöglichte durch ihre Produktionskapazität – 1906/07 wurden 1.400 Paar Ski erzeugt – auch die Durchführung von zusätzlichen Winteralpinkursen.
Auch Hauptmann Georg Bilgeri, der durch sein 1910 erschienenes Lehrbuch „Der alpine Schilauf“ als Vereiner der norwegischen und der Lilienfelder Skilauftechnik gilt, war maßgeblich an den Produkten der Skiwerkstätte beteiligt. Er entwickelte eine der „Zdarsky“-Bindung nachempfundene Ganzmetallbindung und leitete 1905 den ersten Skikurs der Tiroler Kaiserjäger in Kitzbühel.
Die anfänglichen Auseinandersetzungen zwischen dem „Norweger Skilauf“ und der „Alpinen Lilienfelder Skilauftechnik“ spiegelten sich auch im militärischen Vorschriftenwesen der k.u.k. Armee wider. War 1908 bei der „Anleitung für den Gebrauch und die militärische Verwendung der Ski und Schneereifen“ die „Einstocktechnik“ noch maßgebend, so setzte sich in der 1915 vom Kommando der Armeegruppe in Innsbruck herausgegebenen Broschüre „Gebirgs-Krieg im Winter“ die „Doppelstocktechnik“ durch.[4]
[3] Gruber, Richard: Die Entwicklung des militärischen Schilaufs, Truppendienst 6/1998. S. 523. Matthias Zdarsky erhielt den Beinamen „Vater des alpinen Skilaufs“. [4] K.u.k Kdo der Armeegruppe G.d.K. Rohr: Gebirgskrieg im Winter – Merkblätter und Weisungen, Op Nr. 4599/1915, Innsbruck 1915, Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB).
Hauptziel der militärischen Skiausbildung in Österreich-Ungarn war jedenfalls bereits vor dem Ersten Weltkrieg, ausreichend skilaufkundiges Personal zur Verfügung zu haben, insbesondere für Aufklärung und Sicherungsdienste, aber auch grundsätzlich zur Fortbewegung in unterschiedlichem alpinem Terrain. „Der Gebirgsschiläufer muss sehr beweglich sein, Hindernisse sturzfrei bezwingen können und allen Gefahren des winterlichen Gebirges Rechnung zu tragen verstehen“, heißt es in der zitierten Anleitung für den Gebrauch und die militärische Verwendung des Skis und Schneereifen von 1908.
Im März 1914 erfasste am Ortler eine Lawine eine Militärpatrouille auf Skiern und forderte 14 Opfer. Bei der Bergung der Toten standen die Bergführer im Einsatz. Für die Begleitung der Patrouille wurde allerdings kein ortskundiger Bergführer angefordert, was in den Tagen nach dem Unglück hohe mediale Wellen schlug. Die Lawinengefahr, so die Kritik, sei unterschätzt worden, die Offiziere hätten das Gebiet nicht gekannt und sogar die Warnungen der Führer in den Wind geschlagen. Der „Tiroler Volksbote“ erhob schwere Vorwürfe: „Ein umsichtiger Führer hätte auf alle Fälle die ortskundigen Bergführer zu Rate gezogen und hätte auf alle Fälle den ein oder anderen Führer mitgenommen.“[5]
Während des Ersten Weltkriegs erfolgte schließlich, in Anbetracht der schneereichen Winter in der Dolomitenfront, eine umfassende Ausbildung im Skilauf. Die Kurse für Angehörige der k.u.k. Armee fanden in geeigneten Destinationen des Ostalpenraumes statt, im Arlberggebiet und in Kitzbühel ebenso wie am Kitzsteinhorn, im Gasteinertal oder in den Bergen der Steiermark. Viele damals bereits bekannte Alpinisten und viele später bedeutende Persönlichkeiten des Skisports haben während des Ersten Weltkriegs als Ski-Instruktoren gewirkt. Luis Trenker war 1915 einer von ihnen sowie auch Hannes Schneider. Bei Kriegsausbruch als Artilleriebeobachtungs-Unteroffizier eingeteilt, wurde er im Oktober 1915 als Instruktor zur Bergführerkompanie Nr. 4 versetzt, die im März 1918 – auch mit Schneider – ihre Stellungen auf der Königsspitze im Ortlergebiet bezog. Nach dem Krieg gründete er 1922 die erste Skischule in St. Anton am Arlberg. Besonders die Erfahrungen bei den Militär-Skikursen am Monte Bondone haben Hannes Schneider nach dem Krieg großen Nutzen gebracht.[6]
[5] Rainer, Christian: Die Geschichte der Südtiroler Bergführer, S. 17. [6] Thöni, Hans: Hannes Schneider – zum 100. Geburtstag des Skipioniers und Begründer der Arlbergtechnik, 1990, S. 37–39.