Abschließende Beurteilung
Abschließende Beurteilung
Gegen Ende dieses Beitrags stellt sich natürlich die Frage, ob die Standschützen von 1944/45 – so, wie von Franz Hofer beabsichtigt – tatsächlich die Wiedergeburt der Standschützen aus früheren Zeiten waren. Hierzu gilt es festzuhalten, dass die Standschützen aus den Zeiten vor dem Nationalsozialismus freiwillige Angehörige eines Schützenstandes waren, bei dem sie „einrolliert“ waren. Damit hatten sie sich zum freiwilligen militärischen Schutz des Landes Tirol bzw. Vorarlberg verpflichtet. Die Standschützen waren berechtigt, ihre Offiziere selbst zu bestimmen. Aus deren Mitte wählten sie die Hauptleute als Kompaniekommandanten und den Major als Bataillonskommandanten. In den Ersten Weltkrieg zogen sie mit ihren Gewehren. Militärische Ausbildung hatten nur wenige genossen.[1] Sie waren sehr einsatzfreudig und durchhaltefähig, um ihr „Land im Gebirge“ zu schützen.
Franz Hofers Standschützen kamen zwar teilweise auch aus den Schützenständen, die Mehrheit aber wurde im Rahmen der Mobilisierung für den Volkssturm einberufen. Es ist höchst verwunderlich, dass Hitler die Traditionsbezeichnung „Standschützen“ überhaupt genehmigte. Freiwilligkeit gab es nur mehr für Altersgruppen unter 16 und über 60 Jahre, die sich gerne melden durften. Für die Kompanie- und Bataillonsführer war es entscheidend, dass sie standhafte Nationalsozialisten waren; daneben sollten sie auch militärisches Grundwissen aufweisen. Ausgewählt wurden sie vom jeweiligen Kreisleiter. Generell betrachtet war die militärische Ausbildung sicher besser als in früheren Zeiten, die Standschützen waren auch besser organisiert und vielfach besser ausgerüstet. So gesehen hatten sie dem Volkssturm in den anderen Gauen einiges voraus. Die massive Propaganda, der die zum Volkssturm Eingezogenen ausgesetzt waren, sollte sie davon überzeugen, dass sie in direkter Linie der alten Standschützen standen.[2] Aufgrund des nahenden und für jeden denkenden Standschützen klar absehbaren Endes des Krieges und damit des NS-Regimes war die Einsatzfreude der vielfach älteren und lebenserfahrenen Männer sehr begrenzt, da man nicht am Ende einer schlechten Sache noch das Leben lassen wollte. Dies zeigte sich an den vielfachen Auflösungserscheinungen zum Teil bereits unmittelbar nach den Mobilisierungen, von den unzähligen Einberufungsbefehlen, denen gar nicht mehr nachgekommen wurde, ganz zu schweigen. Zu einer generellen Mobilmachung aller Standschützen kam es nicht.[3]
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/K.k._Standsch%C3%BCtzen [Stand: 8. Jänner 2026]. [2] Von Hartungen, Die Tiroler und Vorarlberger Standschützen, S. 96. [3] Beimrohr, Wilfried: Das Kriegsende 1945 in Tirol, https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/kunst-kultur/landesarchiv/downloads/Kriegsende_1945_in_Tirol.pdf [Stand: 9. Jänner 2026].
Das Fazit: Franz Hofers Standschützen waren nicht die Wiedergeburt der Standschützen aus früheren Zeiten. Tatsächlich waren sie Angehörige des Deutschen Volkssturms, einer territorialen Miliz der NSDAP, und hatten mit den traditionellen Standschützen somit im Grunde genommen gar nichts zu tun.
Hätte Hitler den Antrag Hofers auf eine gaueigene Traditionsbezeichnung nicht genehmigt, müsste man sich heute über diese Frage wahrscheinlich gar keine Gedanken machen.
Zuallerletzt noch ein Blick auf das Zitat, das den Titel dieses Aufsatzes bildet, und dem die Wunschvorstellung der nationalsozialistischen Verantwortlichen zugrunde lag, wie Standschützen zu sein hätten: „Unverrückbar (dies bezog sich natürlich auf die von ihnen erwartete Treue zum Regime) wie unsere Berge!“ Gegen Ende des Krieges bestand keine Gefahr mehr, dass jemand diese Berge verrücken könnte, denn Hitlers Regime war – im Gegensatz zu den Tiroler und Vorarlberger Bergen – erodiert. Die Kapitulation ersparte den Standschützen vollkommen aussichtslose Kämpfe und den Weg in den sicheren Untergang.