13

Missbrauch des Begriffes „Standschützen“ im Dritten Reich

Herbert Slatner

„Unverrückbar wie unsere Berge!“*

*Titel entnommen dem Bozner Tagblatt vom 14.11.1944 und den Innsbrucker Nachrichten vom 15.11.1944,
wo gleichlautend über die Vereidigung eines Standschützen-Bataillons in Bozen berichtet wird.

Allgemeine Voraussetzungen

Im Spätsommer des Jahres 1944 war die militärische Lage des Deutschen Reiches katastrophal. Die sowjetische Sommeroffensive (Deckname: Operation Bagration) führte zum Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte in Weißrussland. An die 400.000 deutsche Soldaten waren gefallen, verwundet oder in Gefangenschaft geraten, viel mehr als in Stalingrad. Dies gilt als die schwerste und verlustreichste Niederlage in der deutschen Militärgeschichte.[1]  Das Ergebnis war, dass die Rote Armee Ende August unweit der Reichsgrenze in Ostpreußen stand. Im Westen kämpften sich die US-Truppen in Richtung Aachen vor, überschritten erstmals am 12. September ebendort die Reichsgrenze und nahmen zwei Tage später einen Ort unweit der alten Kaiserstadt in Besitz.[2] In Berlin war Feuer am Dach. Anhand bereits früher ausgearbeiteter Unterlagen bereitete man fieberhaft eine allgemeine Volksmobilisierung vor. Alle noch irgendwie vorhandenen Kräfte sollten der Reichsverteidigung verfügbar gemacht werden. Damit – so glaubte man – könnte man das Blatt noch wenden und doch den viel beschworenen „Endsieg“ erringen.

[1] Förster, Stig: Deutsche Militärgeschichte, München 2025, S. 979.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 [Stand: 16. Dezember 2025].
Cookie Consent mit Real Cookie Banner